Archäologische Ausgrabungen

Ein paar Leichen im Keller? Mitten in Wulfen wird das Wirklichkeit

Rund um eine Kirche in Dorsten wird gebuddelt. Bei den Arbeiten stießen die Bauarbeiter auf menschliche Überreste. Archäologen aus Münster haben ihre Freude daran.

Die Bauarbeiten für das neue Pfarrheim St. Matthäus in Wulfen sind im vollen Gang. Allerdings haben Ausschachtungen zu Verzögerungen im Terminplan geführt. Denn bei den Tätigkeiten stießen die Beteiligten auf historisch bedeutsame Funde.

Menschliche Überreste aus einer Zeit, wo der Glaube die Lebenswirklichkeit der Christen beherrschte und die Gottesfurcht der Dorfbewohner sich auch bei den Bestattungen zeigte. Vermutlich sind es Gebeine von Verstorbenen zwischen dem 13. Jahrhundert und der napoleonischen Zeit. Genaueres ist schwer zu bestimmen, wie der Mittelalter-Experte des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL), Wolfram Essling-Wintzer, auf Anfrage sagte.

Der Archäologe hat die Ausgrabungen in Wulfen begleitet und bedauert sehr, dass der im März 1945 abgeworfene Bombenhagel der Amerikaner so viele Spuren früherer Wulfener Generationen beseitigt hat. „Direkt neben dem Bestattungsfeld ist ein großer Bombentrichter. Die Bombe ist sichtbar auch detoniert.“ Ein tiefer Krater neben dem Gottesacker habe sich gezeigt.

Drei Skelette liegen besonders hoch

Die wenigen noch erhaltenen Quellen früherer Jahrhunderte wurden fein säuberlich vom Erdreich befreit, nachdem die Bagger bei den Ausschachtungen das alte Gräberfeld an der Matthäuskirche freigelegt hatten. „Drei von acht oder neun Skeletten liegen so hoch, dass man die Knochen erkennt. Sie werden freigelegt, dokumentiert und wahrscheinlich auch anthropologisch untersucht“, sagt der Experte vom Mittelalter-Referat.

Die anderen menschlichen Überreste bleiben in der Erde und werden später vom neuen Pfarrheim St. Matthäus „überlagert“. Da es bei katholischen Bestattungen nicht Brauch ist, dem Verstorbenen besondere Grabbeigaben für die letzte Reise mitzugeben, ist eine exakte Datierung der Knochenfunde schwierig: „Gräber sind nicht die ertragreichsten Quellen“, so der Archäologe. Auf Friedhöfen finde man nicht genügend „Kulturschutt“, um eine klare Prognose stellen zu können.

Grabstätten dürften aus dem Mittelalter sein

Die Toten vom ehemaligen Kirchplatz in Wulfen haben Rosenkränze oder aber noch Kleidungsüberreste, die vielleicht eine genauere Expertise ermöglichen. Manche waren auch einfach nur in Tuch eingenäht. Der überwiegende Teil der gefundenen Grabstätten dürfte aber aus dem Mittelalter stammen. Darauf deutet die Ausrichtung der letzten Ruhestätten in Richtung Osten hin: „Im Osten befindet sich der Altarraum der katholischen Kirche“, erläutert der Experte.

Das sei für Christen jener Zeit ein wichtiger Aspekt gewesen, da sie sich von den gesprochenen Fürbitten der Lebenden eine Wiederauferstehung nach dem Tag des Jüngsten Gerichtes erhofften.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel