Ein Selbstversuch beim Dorstener Marktfrühstück

Auf dem Agatha-Kirchplatz

Sie habe noch keinen gesehen, der es bisher beim Marktfrühstück geschafft hätte, alle zehn Felder der Karte abzufrühstücken, hatte Mit-Organisatorin Heike Hein (Ordnungsamt) bei der Pressekonferenz erzählt. Grund genug, diesen Rekord einmal anzugehen. Chronologie eines Versuchs:

von Von Michael Klein

, 12.08.2012, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch um 11 Uhr gab es am Samstag auf dem Kirchplatz beim Marktfrühstück kaum einen freien Platz.

Auch um 11 Uhr gab es am Samstag auf dem Kirchplatz beim Marktfrühstück kaum einen freien Platz.

Samstag, 9.15 Uhr, St.-Agatha-Kirchplatz. 15 Grad, leichter Wind, die Bedingungen sind bestens. Mein Magen ist nüchtern, auch bei der kulinarischen Landpartie in Kirchhellen am Abend zuvor hatte ich mich kalorienmäßig zurückgehalten.

Ich bin hungrig, und ich bin hungrig auf Erfolg. Fünf Euro kostet die Karte mit den jungfräulichen zehn Feldern. Ein Glas Prosecco ist gratis. Ich verzichte jedoch auf die Zufuhr alkoholischer Stimulanzen und jedweder anderen Form des Dopings. Bis auf den Kaffee, der ist schließlich auch für lau. Leider müssen erst einmal die beiden Kaffeemaschinen im Schatten der Kirche repariert werden - fängt ja gut an...

9.30 Uhr: Also rüber zu den Essens-Ständen. Ein Feld für ein Croissant sowie ein Sesam-Brötchen, ein weiteres für Wurst und Käse und noch eines für Oliven und Pepperoni. Das Rührei ist noch nicht fertig. Ist nicht schlimm, ich darf nicht alles auf einmal in mich hineinstopfen.

Trotz der frühen Stunde sind alle Sitzbänke belegt, irgendwo eingeklemmt sitze ich ohne Kaffee und leider auch ohne Zeitung. Denn ausbreiten kann ich die morgendliche Lektüre nicht, ohne dass die Seiten auf den Tellern der Tischnachbarn liegen würden. Dafür habe ich schon drei Kreuze, die ich beim nächsten Gang verdoppeln will.

9.50 Uhr: Noch mal zwei Brötchen, das Rührei, dazu Marmelade und Margarine. Auf dem Rückweg sehe ich, dass nur zwei Felder abgekreuzt wurden, das dritte hat lediglich einen Schrägstrich. Gilt das? Ich muss mal ins Regelwerk schauen.

Nach den vier Brötchen bin pappsatt, ein guter Anlass, mich in die Riesen-Schlange für den Kaffee einzureihen. Denn was sonst genervt hätte, ist jetzt klar von Vorteil: Lange Wartezeit, um das Frühstück sacken zu lassen.

10.20 Uhr: Endlich dampft es in der Tasse, dazu hole ich ein weiteres Kreuz für ein paar Scheiben Lachs und eines für frittierte Bratfischstückchen mit Knobi-Sauce. Macht siebeneinhalb Felder.

"Knoblauch am Morgen, vertreibt Sitznachbarn und Sorgen" - dieses Sprichwort gilt nur, wenn man die Chance auf einen Sitzplatz hat. Inzwischen müssen einige Gäste ihr Frühstück im Stehen verzehren, andere geben ihre Frühstückskarte gegen die bezahlten fünf Euro zurück. Es ist ihnen zu voll - und ich bin es wegen der fett-triefenden Kibbelinge ebenfalls.

10.35 Uhr: Das probate Gegenmittel: Schlange stehen. Inzwischen dauert es am Stand mit dem Obstsalat und dem Obstsaft inklusive zweitem Kaffee gefühlt eine halbe Stunde, bis man endlich an der Reihe ist. Dort zwei weitere Felder abgehakt, der Obstsalat ist leicht, der O-Saft rutscht locker.

11.05 Uhr: Ich spende mir Applaus, obwohl ein Frühstücks-Helfer seinem Kollegen verkündet, dass er schon ein paar Leute gesehen habe, die zehn Felder abgefrühstückt hätten. Na und? Neuneinhalb Felder, die hat außer mir garantiert niemand gehabt.

 

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