Ein Wiedersehen nach über fünf Jahrzehnten

Familie vereint

DORSTEN Eine Wiedervereinigung der besonderen Art feierten Peter und Horst Maeding: Nach über 50 Jahren fand Peter Maeding aus der ehemaligen DDR Familienanschluss in Hervest. Dort wurde er mit offenen Armen aufgenommen.

von Von Anke Klapsing-Reich

, 19.06.2009, 19:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Endlich gefunden: Jahrzehntelang wussten die beiden Cousins Peter (l.) und Horst Maeding nichts voneinander. Die einzige Verbindung waren alte Fotos: Während der mittlerweile verstorbene Vater von Horst Maeding ständig ein Babyfoto seines Neffen Peter bei sich trug, verwahrte dieser ein Soldatenfoto seines Onkels.

Endlich gefunden: Jahrzehntelang wussten die beiden Cousins Peter (l.) und Horst Maeding nichts voneinander. Die einzige Verbindung waren alte Fotos: Während der mittlerweile verstorbene Vater von Horst Maeding ständig ein Babyfoto seines Neffen Peter bei sich trug, verwahrte dieser ein Soldatenfoto seines Onkels.

Die Großmutter schlug sich nun alleine mit ihrem Enkel durch, erst ins Quarantänelager nach Mecklenburg, dann nach Lebus, bei Frankfurt an der Oder in der sowjetischen Besatzungszone gelegen. „Dort wohnte ihre Cousine, die uns ein Zimmer als Quartier anbot.“ Peter Maeding wuchs in Lebus auf, ging dort zur Schule, lernte seine Frau Jana kennen, bekam zwei Söhne mit ihr, arbeitete als Ingenieur der Kfz-Technik. Als seine Großmutter starb, hinterließ sie ihm ein Bild, das ihren Sohn Horst, Peters Onkel, in Soldatenuniform zeigt. „Dieses Bild habe ich immer aufgehoben, aber ich hatte in der DDR ja keine Möglichkeit, meine Familiengeschichte zu verfolgen“, erlosch der Wunsch nach einer Familien-Zusammenführung niemals in seinem Herzen, und er begann zu kombinieren: Die Oma hatte drei Söhne und eine Tochter gehabt. Zwei Söhne waren gestorben, blieben also noch Horst und dessen Schwester übrig.

Es dauerte noch einige Jahre nach dem Mauerfall, bis Peter Maeding den Mut fand, nach ihnen im Internet zu fahnden: In Gummersbach spürte er seinen Cousin Manfred auf. Groß war die Freude, als sich die Cousins zum ersten Mal begegneten. Aus allen Wolken fiel Peter Maeding allerdings, als sein wiedergefundener Cousin Manfred später davon erzählte, dass es noch weitere Cousins gebe: Die Kinder von Onkel Horst, dem jungen Soldaten auf dem Foto, das er so gut gehütet hatte. „Ich musste mir erst mit einen Schnaps Mut antrinken, um die Telefonnummer in Dorsten zu wählen“, erinnert sich Peter Maeding bewegt. Am anderen Ende meldete sich der Sohn seines Onkels, der den gleichen Vornamen trägt: Horst Maeding. „Hallo, Horst, hier ist Peter, der Sohn von Leo!“ Mehr brauchte der Anrufer nicht zu sagen, da drang es vom anderen Ende der Leitung an sein Ohr: „Mensch Peter, das gibt´s doch nicht!“

Jetzt erst sollte Peter Maeding erfahren, dass sein Onkel Horst, dessen Bild er so sorgsam gehütet hatte, selber auch die ganzen Jahre hindurch ein Foto aufbewahrt hatte: „Darauf bin ich als acht Monate altes Baby zu sehen.“ Peter Maeding blickt sichtlich berührt auf die verblasste Fotografie im Fotoalbum seines Cousins. Seinen Onkel Horst konnte er leider nicht mehr kennen lernen. Dafür aber dessen Frau und Kinder – die drei Cousinen und Cousin Horst mit der ganzen Familie: Ehefrau Brigitte, Sohn Sascha, Tochter Nicole mit ihren Kindern.

„Jahrzehntelang hatte ich keine Verwandtschaft von der Maeding-Sippe und plötzlich ist da eine große, wunderbare Familie“, freuen sich Peter und Jana Maeding über dieses unerwartete Glück. Bis Sonntag sind die Beiden noch bei ihren Verwandten zu Gast. Der Gegenbesuch in Lebus ist auch schon geplant. Denn eins haben die „Wiedergefundenen“ beschlossen: „Wir werden uns nie mehr verlieren!“

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