Einzelhandel in Dorsten: Beim Konzept steckt der Wurm drin

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Bereits der Vorgänger war mit überholten Daten erschienen, jetzt gibt es auch beim neuen Einzelhandelskonzept Verzögerungen. Kritik daran gibt es wegen der „Degradierung“ eines Stadtteils.

Dorsten

, 24.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Dorstener Einzelhandelskonzept scheint der Wurm zu stecken. Bereits die letzte Ausgabe war erst vier Jahre, nachdem der damalige Gutachter Michael Karutz 2014 seine Untersuchung vorgelegt hatte, mit damals bereits überalterten Daten von der Politik beschlossen worden. Und auch bei der aktuellen Expertise, die eigentlich zeitnah verabschiedet werden sollte, gibt es bereits erhebliche Verzögerungen.

Bericht liegt schon lange vor

Dabei liegt der Bericht des von der Stadt beauftragten Planungsbüros Dr. Jansen (Köln) schon lange vor. Einen erstes Zwischenergebnis gab es im Mai 2018, der Abschlussbericht wurde im Dezember 2018 vorgelegt. Anschließend sollte die Öffentlichkeit an dem Konzept beteiligt werden - doch den dazu nötigen Beschluss hat die Politik bisher noch nicht gefasst.

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Grund: Zuerst meldeten die Fraktionen plötzlich weiteren Beratungsbedarf an, als sie Ende 2019 über das Thema abstimmen sollten. Und dann kam auch noch die Coronakrise dazwischen.

Doch die Stadtverwaltung macht jetzt Druck. Eine weitere Verzögerung lasse „befürchten, dass die erhobenen Wirtschaftsdaten alsbald erneut überholt“ sein könnten, hieß es im Umwelt- und Planungsausschuss in der vergangenen Woche.

Papier mit Sprengkraft

Das Einzelhandelskonzept soll die Stadt in die Lage versetzen, planungsrechtliche Abgrenzungen der Versorgungsbereiche der einzelnen Stadtteile - gerade auch in Bezug auf die Innenstadt - zu definieren.

Das Planungsbüro Dr. Jansen (Köln) war in seinem Gutachten zum Urteil gekommen, einige Einzelhandelsstandorte in Dorsten in ihrer Wertigkeit herunterzustufen. Die Folge: Die planungsrechtlichen Möglichkeiten würden dort künftig eingeschränkt. SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann sprach damals von einem Papier mit „Sprengkraft“.

Die Einkaufsstraße "Im Harsewinkel": Das Gutachten schlägt vor, dass bisherige Nebenzentrum zu einem Nahversorgungszentrum herabzustufen.

Die Einkaufsstraße „Im Harsewinkel": Das Gutachten schlägt vor, dass bisherige Nebenzentrum zu einem Nahversorgungszentrum herabzustufen. © Claudia Engel (Archiv)

In dem Konzeptpapier wird aufgelistet, welche Entwicklungsperspektiven die jeweiligen Einzelhandelsstandorte in den einzelnen Stadtteilen haben sollten. Die Innenstadt soll demnach Hauptzentrum bleiben und auf jeden Fall gefestigt werden.

Hauptgeschäftsachse stärken

Das Planungsbüro erklärt, dass es im Bereich des Media-Markts keine weiteren Einzelhandel befürworte. Im Bereich der Ex-Agathaschule, deren Gebäude am Vosskamp abgerissen wird, käme eine behutsame Ausweitung jedoch infrage, wenn sie damit die Nord-Süd-Hauptgeschäftsachse „Essener Straße- Lippestraße - Mercaden“ stärken würde.

Gleich mehrere „Degradierungen“

Und dann das, was manchen Stadtteil nicht gefreut hatte: Hervest, Wulfen und der Wulfener Markt sollten als Einzelhandelsstandort von Nebenzentren zu Nahversorgungszentren heruntergestuft werden, urteilten die Planer.

Und auch drei im bisherigen Einzelhandelskonzept als „Nahversorgungszentren“ eingestufte Standorte (Handwerkshof an der Dimker Allee, ehemaliges Krietemeyer-Gelände auf der Hardt und Hervest-Ost an der Glück-Auf-Straße) sollen ihren Status verlieren und lediglich für die „wohnortnahe Versorgung“ geschützt werden.

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Die Stadt trägt nach einiger Aussage diese vom Gutachterbüro vorgetragenen Einschätzungen mit, auch IHK, Handwerkskammer, RVR und Bezirksregierung hätten ihre Zustimmung signalisiert. Vor Ort hat allerdings vor allem die Degradierung Hervests zu Kritik geführt.

„Positive Entwicklung wird behindert“

Auch SPD-Sprecher Rainer Heimann erneuerte in der vergangenen Woche im Umwelt- und Planungsausschuss sein Unbehagen: Die Herabstufung Hervests könne man so nicht mittragen, „damit wird die positive Entwicklung dort verhindert“, sagte er.

Im Juni wieder auf der Tagesordnung

Nun soll sich die Politik im Juni wieder mit dem Thema beschäftigen. Nur dann ist gewährleistet, dass der Rat die dann fast zwei Jahre alte Fortschreibung des Konzept schlussendlich noch vor der Kommunalwahl im Herbst verabschieden kann. Ansonsten droht eine weitere lange Verschleppung.

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