Elias im Feuerwagen

Kirchhellen Mit einer Schutzbrille und einer Kettensäge bewaffnet steht Leonid Kolibaba auf einem wackeligen Gestell und schnitzt an einem Baum herum.

24.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der russische Künstler aus St. Petersburg ist ebenfalls einer der Teilnehmer am Künstlersymposium im Jugend-Kloster. Der 61-Jährige ist Bildhauer und scheint die Natur zu lieben. Direkt nach seiner Ankunft in Kirchhellen suchte er sich einen Platz direkt am Wald, wo es ihm sichtlich Freude macht zu arbeiten. "Ich liebe die Bäume hier", meint Kolibaba.

Jeder habe seine eigene Form und man weiß nie, was letztlich daraus wird. "Ich versuche immer einen Dialog zwischen der Natur, in diesem Fall dem Baum, und meiner Arbeit entstehen zu lassen", so Kolibaba.

Wie viele Skulpturen er in seinem Leben schon gemacht hat, weiß er nicht, sagt er mit lachenden Augen. Die Faszination bei seiner Arbeit machen für ihn die verschiedenen Variationsmöglichkeiten aus. "Ich mache mir vorher einen Plan, eine Skizze oder auch Tonvorlagen, aber das Resultat sieht am Ende immer anders aus", erklärt er.

So ist das auch mit seinem momentanen Objekt. Er arbeitet im Kloster an der Bibelgestalt des Elias. Der Prophet Elias spielt in der jüdischen Tradition eine ganz besondere Rolle. Denn dort stirbt Elias nicht, sondern fährt mit einem Feuerwagen zum Himmel. Genau diese Szene will Kolibaba verwirklichen. Immer wieder greift er dabei zur Säge oder nimmt Hammer und Meißel zur Hand. Jede einzelne, noch so kleine Stelle wird immer wieder angezeichnet und bearbeitet.

Aus einem Grablicht holt er die Vorlage für die Skulptur. Vorsichtig wickelte er die Tonfigur aus dem Tuch aus und zeigte daran, wie seine Arbeit ursprünglich aussehen sollte und was er bisher schon verändert hat. Prüfend und stirnrunzelnd fährt er mit der Hand über den Baumstamm.

Irgendetwas scheint ihm nicht zu gefallen, denn prompt setzt er sich die Brille wieder auf und schwingt die Kettensäge mit einer Leichtigkeit, als hätte er eine Feder in Hand.

Vernissage am Freitag

Was letztlich aus dem Baumstamm geworden ist und ob er mit seinem Kunstwerk am Ende zufrieden ist, davon können sich Besucher bei der Vernissage am Freitagabend überzeugen. Neben den täglichen Begegnungsmöglichkeiten ab 10 Uhr, öffnet das Kloster seine Pforten bis Samstag um 18 Uhr zum Abschluss des Symposiums, wo alle Arbeiten der Künstler aus den letzten drei Wochen vorgestellt werden sollen. dzi

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