EM-Fußball? Diese Dorstener verzichteten freiwillig

Kino, schwimmen, einkaufen

Donnerstag, 21 Uhr: Ganz Dorsten schaut das EM-Halbfinale Deutschland gegen Frankreich. Ganz Dorsten? Nein, denn manch einer nutzt die Fußball-Euphorie, um in Ruhe anderen Aktivitäten nachzugehen.

Dorsten

, 08.07.2016, 09:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Um diese Uhrzeit ist es normalerweise richtig voll hier", erzählt Laura Di Betta vom Central-Kino in Holsterhausen. Doch am Donnerstagabend wollen nur wenige Menschen einen Film sehen. 13, um genau zu sein. Darunter sind auch Anita Köster und ihre Tochter Lisa.

Den Fantasyfilm "Smaragdgrün" schauen sich die Beiden an, während Deutschland gegen Frankreich verliert. "Wir interessieren uns nicht sonderlich für Fußball und heute müssen wir nicht anstehen, um Tickets zu bekommen. Alles ist so schön leer." Plätze können Mutter und Tochter frei wählen. Denn sie sind die einzigen im Kinosaal.

Schnulze statt Spiel

Auch Yvonne Bauer und Justin Tambert besuchen am Donnerstabend das Kino. "Meine Freundin ist kein großer Fußballfan und wollte ,Ein ganzes halbes Jahr' sehen", erzählt Justin Tambert. Er opfert sich und verzichtet auf das Spiel. Das muss Liebe sein.

Währenddessen verlassen immer mehr Sportler das Fitness-Center Injoy, um rechtzeitig beim Anpfiff zu Hause zu sein. Doch einige wenige bleiben und nutzen es aus, an den Geräten nicht warten zu müssen. "Ich bin zu der Uhrzeit immer hier", sagt Christian Engels aus Dorsten, während er sich auf dem Liegefahrrad abstrampelt. "Es ist praktisch, dass heute nicht viel los ist." Doch verzichten muss er nicht auf das Spiel. Denn das wird auf den Bildschirmen übertragen.

22 Menschen im Atlantis

Auch im Freizeitbad Atlantis ist nur noch wenig los. 22 Menschen - so viele, wie zwei Fußballmannschaften Spieler auf dem Platz haben - sind im Wasser, als um 21 Uhr das Match beginnt. Freie Bahnen, kein Anstehen an den Rutschen, in Ruhe im Solebecken entspannen - die wenigen Gäste haben das Bad quasi für sich allein.

Im Restaurant "Goldener Anker" von Sternekoch Björn Freitag macht sich das Fußballspiel ebenfalls bemerkbar. "Wir haben wegen des Spiels kurzfristig ein paar Stornierungen bekommen", sagt Serviceleitung Marion Lage. Nur vier Tische sind belegt. Während im Restaurant köstlich gespeist wird, läuft in der Küche das Spiel auf einem Laptop. Denn das wollen sich die Köche dann doch nicht entgehen lassen.

Noch schnell ein paar Einkäufe erledigen

Gegenüber in den Mercarden ist es ebenfalls ruhig. Das Shoppingcenter wirkt wie ausgestorben. Nur im Kaufland ertönt das Piepen an den Kassen. Einige Dorstener nutzen die Zeit während des Halbfinales, um ein paar Besorgungen zu machen. Silke Konrad schiebt ihren gefüllten Einkaufswagen aus dem Supermarkt. "Es war sehr angenehm, jetzt die Einkäufe zu erledigen", sagt sie.

Viele Kunden machen spontan noch ein paar kleinere Einkäufe. Pizza, Getränke, Chips. "Die zweite Halbzeit ist eh viel spannender", sagt eine Frau, die nach ihrem Einkauf eilig im Parkhaus verschwindet. Nach Hause kommt sie jetzt schnell. Denn die Straßen sind leer.

22.53 Uhr: Dorsten erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Während am Stadtstrand getrauert wird, haben Anita und Lisa Köster bereits das Kino verlassen, Christian Engels hat sein Training beendet und die Gäste des "Goldenen Anker" sind satt. So endet ein Abend, an dem nicht alle Dorstener ein Trauerspiel erlebt haben.

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