In der Wahlarena gab es eine heftige Auseinandersetzung um Corona-Imfpungen. © Stefan Diebäcker
Bundestagswahl

Empörung über AfD-Kandidat: „Schulkinder in Bussen zum Impfen verfrachtet“ (mit Video)

Es war eine kontroverse und emotionale Debatte, als es in der Wahlarena der Dorstener Zeitung um Corona-Impfungen ging. Vor allem der AfD-Kandidat sorgte für Empörung.

Mobile Impfangebote, schnell und unbürokratisch, sind das Gebot der Stunde, um die Impfquote im Land zu erhören. Da sind sich Wissenschaftler und alle Parteien einig. Fast alle. AfD-Kandidat Detlef Bauer sprach in der Wahlarena der Dorstener Zeitung am Mittwochabend von einem „indirekten Zwang“ und fragte: „Gehen Sie auf jedes Werbeangebot ein, das im Briefkasten liegt?“

„Wenn Kinder aus Schulklassen in Bussen ins Impfzentrum gekarrt werden, ist das kein Angebot. Das schreckt viele ab“, sagte Bauer – und erntete heftigen Widerspruch. Bauer gebrauchte später im gleichen Zusammenhang auch das Wort „verfrachtet“ und ging noch weiter: „Es ist eine Diskriminierung, wenn Menschen nicht zu Veranstaltungen dürfen, weil sie nicht geimpft sind.“

„Ich bin gesund, warum also impfen?“

Der AfD-Kandidat ist nicht geimpft, legte vor Beginn der Wahlarena aber einen negativen Coronatest vor. Es galt an diesem Abend die 3G-Regel. „Ich hatte letztens meinen Gesundheitscheck und bin kerngesund. Warum sollte ich mich also impfen lassen?“

Für Michael Gerdes (SPD) ist das typisch für die AfD. „Sie denken nicht an die Allgemeinheit. Ich habe mich nicht nur für mich impfen lassen, sondern auch, damit sich mein Umfeld nicht ansteckt.“

Kritik gab es auch, als Bauer die Wirksamkeit der Impfungen infrage stellte, weil es ja „viele Durchbrüche“ gebe. Lisa Ellermann (Die Linke) konterte: Es sei normal, dass man sich anstecken könne, aber der Verlauf sei geringer. „Man muss vor dem Impfen keine Angst haben, aber es gibt Parteien, die Angst verbreiten.“

Auch Sven Volmering (CDU), Sebastian Steinzen (FDP) und Kim Wiesweg (Grüne) widersprachen dem AfD-Kandidaten deutlich. „Den mündigen Bürger gibt es bei der AfD nicht“, meinte beispielsweise Steinzen. „Wenn ein Bus vorfährt, fühle ich mich doch nicht gezwungen, da einzusteigen.“ Aber Impfungen würden helfen, das Intensivstationen nicht wieder überlastet werden.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker