EPS-Plage in Dorsten: „Wir werden das nicht vollständig in den Griff bekommen!“

rnEichenprozessionsspinner

Das Schlimmste scheint überstanden, doch die Eichenprozessionsspinner-Plage lässt Dorsten nicht los. Der Bürgermeister macht wenig Hoffnung, dass das Problem künftig vollständig gelöst wird.

Dorsten

, 11.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Knapp 1000 Hinweise auf Nester des giftigen Eichenprozessionsspinners (EPS) hat die Stadtverwaltung in den letzten Wochen bekommen - doppelt so viele wie im letzten Jahr. Das bestätigte Bürgermeister Tobias Stockhoff am Mittwoch in der Ratssitzung. 2018 gab es seinen Angaben zu Folge ein bis zwei Nester pro Baum, „inzwischen kommt es vor, dass wir zehn oder sogar 15 Nester pro Baum feststellen“.

Besser Zusammenarbeit mit Anliegern geplant

Im Herbst soll eine Strategie entwickelt sein, wie die nächste Plage möglichst wirkungsvoll eingedämmt werden kann, vielleicht auch präventiv. Da geht es auch um eine bessere Zusammenarbeit von Stadt und Anliegern und um alternative Möglichkeiten wie Nistkästen für Meisen oder Leimringe.

Ein Gifteinsatz hingegen sei „technisch schwierig“, außerdem dürfe anschließend sechs Stunden lang niemand unter den Bäumen herlaufen, erklärte der Bürgermeister. „Wie die Stadt Bottrop und die Gemeinde Schermbeck das bei Straßenbäumen gewährleistet haben wollen, ist mir schleierhaft.“ Stockhoff bezeichnete es auch als „ökologische Nagelprobe“, wenn Dorsten die Chemiekeule schwingt.

„Wir werden das Problem nicht, so wie es manche Bürger wünschen, vollständig in den Griff bekommen.“
Tobias Stockhoff

Allerdings: Was auch immer sich Stadtverwaltung und Fachleute einfallen lassen werden, der Bürgermeister ist überzeugt: „Wir werden das Problem nicht, so wie es manche Bürger wünschen, vollständig in den Griff bekommen.“

Bis zu 50 Meldungen pro Tag hatte die Stadtverwaltung in den letzten Wochen bekommen. „Im Augenblick sind es noch 10 bis 20, aber da sind auch viele Doppel-Meldungen dabei“, sagt der Bürgermeister In Spitzenzeiten seien bis zu drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes damit beschäftigt gewesen, Anrufe entgegenzunehmen. „Sie mussten eine Menge aushalten, auch manche verbale Entgleisung.“ (DZ+)

Keine Verpflichtung für Grundstückseigentümer

Stockhoff bestätigte, das es manchmal schwer zu unterscheiden sei, ob es sich um einen privaten, einen städtischen oder einen Baum handelt, der in die Zuständigkeit des Kreises Recklinghausen fällt. „Wir leiten das gegebenenfalls weiter, halten aber nicht nach, ob die Nester tatsächlich entfernt wurden.“ Auf Privatgrundstücken dürfe die Stadt nicht eingreifen.

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Umgekehrt gilt: Es gibt keine Verpflichtung von Grundstückseigentümern, Nester zu entfernen. Dieses Nebeneinander von Privat und öffentlicher Hand führe immer wieder zu Konflikten. „Es bringt am Ende nichts, Nester an öffentlichen Bäumen zu entfernen, wenn dahinter drei Reihen mit Bäumen stehen, wo die Nester nicht entfernt werden.“

Jede zweite Eiche war befallen

Neben einer fest gebuchten Firma hat die Stadt Dorsten bis zu sechs weitere Spezialfirmen eingesetzt, um die Plage einzudämmen. „Ich kann diesen Menschen nur meinen Respekt zollen. Es ist kein Vergnügen, bei 37 Grad stundenlang im Vollschutz zu arbeiten“, sagte der Bürgermeister.

Oberste Priorität hatten Kindergärten und Schulen, dann folgten Spielplätze und Friedhöfe. Den Außenbereich hat die Stadtverwaltung bislang vernachlässigt. „Das geht nicht anders“, so Stockhoff. „Von den etwa 10.000 Eichen im öffentlichen Raum ist mindestens jeder zweite Baum befallen.“ Besonders schlimm erwischt hat es in diesem Jahr neben Wulfen-Barkenberg vor allem Östrich und die Hardt.

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