Erboster Autofahrer fühlt sich gefährdet und beleidigt Feuerwehrleute

rnGerichtsprozess

Auf dem Weg zu einem Einsatz in Dorsten gibt es eine undurchsichtige Verkehrs-Begegnung zwischen Feuerwehr und einem Autofahrer. Es folgen eine Auseinandersetzung und ein Gerichtsprozess.

Dorsten

, 24.06.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Löschtrupp der Freiwilligen Feuerwehr Dorsten mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zu einem Einsatz, eine undurchsichtige Verkehrssituation auf der Hervester Straße in Wulfen, dazu ein erboster Autofahrer, der sich an dem Tag von den Einsatzkräften genötigt fühlte.

Und dann noch die aktuelle öffentliche Diskussion darüber, dass sich Rettungskräfte immer häufiger Anfeindungen ausgesetzt sehen - diese Gemengelage sorgte dafür, dass sich am Dienstag (23. Juni) ein 68-jähriger Lembecker wegen Beleidigung vor Gericht verantworten musste.

„Ich musste voll abbremsen“

Der Rentner hatte mit seiner Ehefrau am 13. Oktober 2019 das Seefest in Marl besucht, war im Auto auf dem Heimweg, als ihm auf der Hervester Straße ein Feuerwehrwagen entgegenkam. „Ich dachte zunächst, der fährt geradeaus“, sagte der Lembecker aus. „Doch dann zieht der auf meine Fahrbahn, kommt auf mich zu und biegt, ohne zu blinken, links in den Bückelsberg ab, sodass ich voll abbremsen muss.“

Jetzt lesen

Weil der Beifahrer im Feuerwehrwagen anschließend noch eine abfällige Handbewegung machte, wollte der Rentner die Feuerwehrleute zur Rede stellen. Er fuhr den Rettungskräften zum Einsatzort hinterher.

Ausfällig geworden

Weil die Feuerwehrleute jedoch darauf pochten, den Blinker betätigt zu haben, wurde der 68-Jährige ausfällig. „Wie behindert seid Ihr denn?“ „Seid Ihr denn alle blöd hier?“ Diese Worte fielen während des Wortgefechts. „Die waren aber nur an meinen Schwiegersohn gerichtet“, beteuerte der Lembecker - denn der saß zufällig mit im Feuerwehrwagen und hatte die Aussagen seiner Kollegen bestätigt. „Die haben als Gruppe eine Falschaussage gemacht, da bin ich sauer geworden“, so der 68-Jährige.

An dieser Stelle begegnete sich der Feuerwehrwagen und der Autofahrer aus Lembeck.

An dieser Stelle begegneten sich der Feuerwehrwagen und der Autofahrer aus Lembeck. © Privat

Zwei der Rettungskräfte waren als Zeugen geladen. Einer sagte aus, er habe hinten mit dem Rücken zum Fahrer gesessen - den Blinker zwar nicht gesehen, aber gehört. Der Rentner sei mit seinem Wagen „voll auf uns zugekommen“, sagt er aus. Der Fahrer sagte im Zeugenstand aus, er wisse nicht mehr, ob er vor dem Abbiegen vielleicht nicht doch auf die Gegenfahrbahn geraten sei.

Jetzt lesen

Beide Zeugen erklärten, sie selbst hätten persönlich keinen Strafantrag gegen den Rentner gestellt. Der Einsatzleiter hätte die beleidigenden Worte aber im Einsatzbericht vermerkt, „Dienstanweisung der Stadt“, hieß es. Weswegen das Ordnungsamt der Stadt Strafanzeige gegen den Lembecker stellte.

100 Euro Geldbuße

Zunächst sollte der Rentner 300 Euro zahlen, dann wäre das Verfahren eingestellt worden. Als er das nicht wollte, hagelte es plötzlich einen Strafbefehl über 900 Euro. Beim Prozess kam er weitaus glimpflicher davon: Richter Jan Krüger verwies auf die „schwammige Beweisaufnahme“ und reduzierte die Geldbuße auf 100 Euro.

Lesen Sie jetzt