Erzieherin erkämpft sich unbefristete Stelle

Gericht bestätigt Formfehler

Wenn es um den Job geht, zählen Handschlag-Absprachen nicht: Eine Erzieherin aus Wulfen hat sich am Freitag erfolgreich eine unbefristete Stelle erkämpft und einen Formfehler des evangelischen Kirchenverbands ausgenutzt. Dort ist man nun vor allem eins: menschlich enttäuscht.

WULFEN

06.01.2017, 15:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die junge Erzieherin sollte eigentlich einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten – für eine erkrankte Kollegin. So war es abgesprochen. „Wir wollten sie unbedingt halten“, sagte Monika Engfers, Geschäftsführerin des Verbands evangelischer Kirchengemeinden Dorsten, vor dem Herner Arbeitsgericht. „Wir waren ja alle zufrieden mit ihr.“

Als unbefristet einzustufen

Anfangs nahm alles seinen normalen Lauf. Die Erzieherin, die ihr Anerkennungsjahr absolviert hatte, trat ihre Vertretungsstelle nahtlos zum 1. August an. Der befristete Vertrag sollte nachgereicht werden, da der ehrenamtliche Vorstand nicht so oft tagt.

Was aber wohl nur die Erzieherin wusste (oder was ihr gesteckt worden ist): Wenn der befristete Arbeitsvertrag zum Arbeitsbeginn nicht vorliegt, ist die Stelle rechtlich als unbefristet einzustufen. Und genau darauf berief sie sich nun. Da half es dem Kirchenverband auch nicht, sich auf mündliche Absprachen zu berufen oder an die Fairness zu appellieren.

„Nicht gültig“

„Die angedachte Befristung ist wegen eines Formfehlers nicht gültig“, so der Richter. Formal richtig wäre es gewesen, die Erzieherin zum 1. August in die Arbeitslosigkeit zu schicken, ihr den befristeten Vertrag vorzulegen, und sie zum 1. Oktober einzustellen. „Genau das wollte man aber gerade als kirchlicher Arbeitgeber nicht tun“, sagte Anwalt Dr. Norbert Drees.

Wie es nun weitergeht? Die Erzieherin muss unbefristet beschäftigt werden, auch ohne Planstelle. In den Kindergarten, in dem sie bislang tätig war, wird sie aber nicht mehr zurückkehren. Dort würde man ihr nicht mehr trauen, hieß es. 

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