Es könnte noch mehr Geburten geben

Krankenhäuser Dorsten und Haltern

Im Dorstener und Halterner Krankenhaus sind zusammen im Jahr 2016 knapp 1000 Kinder zur Welt gekommen - viel mehr als 2015. Doch eigentlich noch zu wenig.

Dorsten/Haltern

, 28.12.2016 / Lesedauer: 2 min
Es könnte noch mehr Geburten geben

Im Dorstener und Halterner Krankenhaus zusammen sind 2016 knapp 1000 Kinder zur Welt gekommen - viel mehr als noch 2015.

Denn: „Geburtshilfliche Abteilungen mit weniger als 800 Entbindungen sind nicht rentabel“, bestätigte Andreas Hauke auf Anfrage der Dorstener Zeitung. So hätten in 2016 550 Frauen in Dorsten und 420 in Haltern Kinder bekommen. „Das sind deutlich mehr als 2015“, so Andreas Hauke. Um aber diese Abteilungen in beiden Häusern kostendeckend betreiben zu können, reichten die von den Kassen und vom Land gezahlten Fallpauschalen und Fördergelder nicht aus. 

Kostenapparat beider Häuser

Andreas Hauke zählte auf, welchen „Kostenapparat“ beide Häuser unabhängig voneinander aufrecht erhalten müssen, um für Geburten bereitzustehen: „Für eine Entbindung müssen Hebammen vorgehalten werden, ein Gynäkologe vor Ort sein, für den Notfall-Kaiserschnitt ein Anästhesieteam mit Facharzt und OP-Pfleger bereitstehen. Das verursacht Kosten, die große Abteilungen mit 1000 Geburten jährlich auffangen können, kleinere Häuser aber nicht. Wir können mit dem Klassifikationssystem für das pauschalierte Abrechnungsverfahren nicht kostendeckend arbeiten.“ Und die Wege zwischen Haltern und Dorsten seien zu weit, „als dass wir als Regelversorgungskrankenhäuser mit einer Entbindungsstation für beide Häuser über die Runden kommen könnten“.

Defizite würden über andere, rentable Abteilungen im Wirtschaftsunternehmen Krankenhaus kompensiert. Das sei aber keine Lösung des Problems in der ortsnahen Versorgung werdender Eltern: „Die Lösungsmöglichkeit liegt bei der Politik.“ Versorgungszuschläge Um die geburtshilflichen Abteilungen in Dorsten und Haltern beibehalten zu können, „brauchen wir Versorgungszuschläge, wie sie zum Beispiel jetzt schon in strukturschwachen Gebieten im Sauerland, in Sachsen und Bayern bezahlt werden.“

Verhandlungen mit dem Land

Deshalb würden über die Krankenhausgesellschaft NRW, dem Dachverband der Hospitäler, zurzeit Verhandlungen mit dem Land geführt, „damit mehr Fördergelder an Häuser in kleineren Kommunen fließen“. Für das St.-Barbara-Krankenhaus im benachbarten Gladbeck und im St.-Josef-Hospital in Gelsenkirchen-Horst kommen diese Gespräche zu spät: Sie schließen ihre geburtshilflichen Abteilungen.

Der Deutsche Hebammenverband sieht die Schließungswelle mit Sorge: „1991 gab es noch 1186 Kliniken in Deutschland, wo Geburten möglich waren. 2014 waren es nur 725 Kliniken mit Geburtshilfe. Seitdem schließt fast jeden Monat ein Kreißsaal“, berichten die Hebammen .

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