Ex-Mitarbeiterin des "Atlantis" fühlte sich im Zeugnis falsch beurteilt

Am Arbeitsgericht Herne

Nach der Sexfilm-Affäre im Atlantis-Bad scheint der Bäder-Betrieb heftig gegen unliebsame Ex-Mitarbeiter "nachzutreten". Wie am Freitag vor dem Arbeitsgericht Herne bekannt wurde, ist einer 24-jährigen Ex-Mitarbeiterin des entlassenen Prokuristen ein Zeugnis ausgestellt worden, das jeden neuen Arbeitgeber sofort abschrecken würde.

DORSTEN/HERNE

von Von Jörn Hartwich

, 20.04.2012, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dann wandte er sich direkt an die beiden anwesenden Geschäftsführer des Bäderbetriebs, Günter Kesselmann und Antonius von Hebel, und sagte: „Sie legen der jungen Frau nur Steine in den Weg.“ Selbst Richter Thomas Kühl wollte das Zeugnis von November 2011 so nicht durchgehen lassen: „Es hat Schwächen und ist nicht sehr schön.“ Das Zeugnis entspreche der Schulnote „ausreichend“, eine derart schlechte Leistung könne aber wohl nur schwer bewiesen werden.

„Ihre Fachkenntnisse setzte sie in zufrieden stellender Weise ein.“ „Sie zeigte im Rahmen unserer Erwartungen Eigenintiative.“ „Sie war stets bestrebt, die Mitarbeiter in den ihr zugeteilten Bereichen einzusetzen.“ Es waren Sätze wie diese, die die 24-Jährige schäumen ließen. Sie fühlte sich zu Unrecht bestraft, wusste sich am Ende nicht mehr anders zu helfen, und war vor Gericht gezogen. Von Seiten des Bäder-Betriebes war im Prozess jedoch zunächst kein Entgegenkommen zu spüren. „Die Aufgaben sind eher in Richtung mangelhaft abgearbeitet worden als in Richtung ausreichend“, sagte Günter Kesselmann.Die Ex-Mitarbeiterin habe sich nur die Sachen herausgesucht, die sie gerne mache. Events, zum Beispiel. „Da wurde übermäßig Zeit investiert.“ Das Qualitätsmanagement sei dagegen vernachlässigt worden. Am Ende ging das Gericht jeden Zeugnis-Satz durch. Mit dem Ergebnis scheinen nun alle Seiten leben zu können. Das Zeugnis entspricht jetzt der Note „befriedigend“. Der Konflikt war entbrannt, als bekannt wurde, dass im Atlantis heimlich Erotik-Filme gedreht worden waren. Nach Angaben ihres Anwalts hatte sich die 24-Jährige dabei auf die Seite des Ex-Prokuristen gestellt.

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