Falschem Anwalt und Mahngericht aufgesessen

Fiese Betrugsmasche

Erst Stunden, nachdem sie die Summe überwiesen hatte, wurde Renate R. (Name von der Redaktion geändert) klar: "Ich habe einen Riesenfehler gemacht." Doch da war das Geld der Seniorin schon unwiderruflich weg, längst in den Händen von Betrügern.

Dorsten

, 21.03.2017, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Dorstenerin ist einer kriminellen Masche zum Opfer gefallen, „die es so in vielen vergleichbaren Fällen gegeben hat“, sagt Michael Franz, Sprecher der Kreispolizei Recklinghausen. Dabei geht um die Machenschaften von Gewinnspielzentralen mit Sitz im Ausland. „Damit versuchen die Täter, vor allem an das Geld älterer Menschen zu kommen.“

1470 Euro verloren

Die Dorstenerin hat dabei 1470 Euro verloren. „Keine Chance, es wiederzubekommen“, sagte die Polizei, als die Dorstenerin am nächsten Tag Anzeige erstattete. Sagt auch die Verbraucherzentrale Dorsten, die dem Opfer riet, den Fall unserer Zeitung zu schildern. „Damit die Bürger gewarnt sind“, so Mechthild Clever-Schmitz, die von ähnlichen Vorfällen in Bottrop gehört hat.

Renate R. bekam vergangenen Dienstag einen Anruf des „Mahngerichts Stuttgart“. „Man sagte mir, dass gegen mich eine Pfändung in Höhe von 5870 Euro vorliege.“ Sie soll angeblich Ende 2011 ein dreimonatiges Abo bei einer Gewinnspielzentrale in der Türkei abgeschlossen haben. Da sie dieses nicht gekündigt und auch nicht auf Mahnungen reagiert hätte, sei das Abo bis heute weitergelaufen.

Überweisung mit MoneyGram

„Der Anrufer gab mir eine Handynummer einer Hamburger Anwaltskanzlei, die könnten mir nähere Auskünfte geben“, so die Dorstenerin. Sie rief die Nummer an. „Dabei wurde mir gesagt, die Summe könnte auf 1470 Euro reduziert werden, wenn ich innerhalb von 24 Stunden eine Überweisung mit MoneyGram in die Türkei tätigen würde.“ MoneyGram ist ein System, mit dem man von einer Agentur aus Barbeträge transferieren kann. Renate R. zahlte von einer Hervester Agentur aus, der vermeintliche „Anwalt“ bestätigte später den Erhalt des Geldes. Polizeisprecher Michael Franz rät: „Niemals Bargeld an Leute überweisen, die man nicht kennt.“ Denn Rücküberweisungen über dieses Transfersystem seien nicht möglich. Zudem hätte die Seniorin darauf drängen sollen, dass sie etwas Schriftliches bekommt. Renate R. sagt: „Die Männer waren so eindringlich, dass ich gar nicht richtig nachdenken konnte.“

Angeblich 78.000 Euro gewonnen

Zum Glück ist der finanzielle Schaden nicht noch größer geworden. Der Hamburger „Anwalt“ eröffnete der Dorstenerin nämlich auch die Nachricht, sie habe bei der Gewinnspielzentrale 78.000 Euro gewonnen. Renate R. wurde da aber skeptisch und ging darauf nicht ein. Richtig gemacht, denn häufig verlangen Betrüger in solchen Fällen nämlich Vorauszahlungen und das Geld fließt dann doch nicht.

Lesen Sie jetzt