Ferit Kocatürk: „Fasten soll niemandem schaden“

Ramadan in Dorsten

Ein neunjähriges Flüchtlingsmädchen ist bei den Bundesjugendspielen zusammengebrochen, weil sie freiwillig wegen des Ramadans den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken hatte. Sich selbst oder anderen zu schaden sei aber nicht im Sinne des Ramadans, sagt Ferit Kocatürk von der muslimischen Gemeinde in Dorsten.

DORSTEN

, 20.06.2016, 14:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ferit Kocatürk: „Fasten soll niemandem schaden“

Über die gespendeten Fladenbrote fürs Fastenbrechen freuen sich (v.l.) Ferit Kocatürk, Amet Kizilkan, Mehmet Arik und Mustafa Coban.thünte

"Das Fasten ist eine freiwillige Sache, etwas zwischen dem Individuum und Gott. Keiner wird zu etwas gezwungen. Und auf keinen Fall möchte Gott, dass man sich selbst oder jemand anderem schadet. Mein Fasten soll niemandem schaden", sagt Kocatürk. Auch wenn der Arbeitgeber Einbußen habe, weil jemand faste, sei das nicht im Sinne des Ramadans.

Schulfrei fürs Zuckerfest

Die Schulen in Dorsten gehen unterschiedlich mit dem Thema Ramadan um. Die muslimischen Schüler an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule bekommen zum Beispiel zum Zuckerfest am 5. Juli frei. Schulleiter Peter Washausen sagt aber auch: "Wir respektieren natürlich die religiösen Hintergründe, aber es ist zum Beispiel kein Grund, nicht am Sportunterricht teilzunehmen." Anders sieht das am Paul-Spiegel-Berufskolleg aus. Tobias Frericks, Klassenlehrer der Schüler, die Abitur im Fach Sport machen, sagt: "Die Sportlehrer sehen das nicht so eng, es ist ja eine Ausnahme. Die Schüler kriegen dann eine andere Aufgabe."

Obwohl Kinder nicht verpflichtet sind, zu fasten, ist der Ramadan auch an Grundschulen schon ein Thema. "Wir haben einige Kinder, die sagen, dass sie fasten. Aber sie halten oft nicht lange durch. Und wenn es hier zum Beispiel zum Sportfest ein Büfett gibt, dann greifen auch alle zu", sagt Ulrike Luther, Schulleiterin der Augustaschule.

Dieses Jahr lange Fastentage

In diesem Jahr ist die Zeit, in der die Muslime fasten, besonders lang. Denn die Sonne geht früh auf und spät wieder unter. Der Mondkalender der Muslime hat zehn Tage weniger als das Kalenderjahr und deswegen verschiebt sich der Ramadan innerhalb des Jahres. Die reine Fastenzeit schwankt darum zwischen 9 und 19 Stunden pro Tag. "Ich erinnere mich auch an Ramadan im Winter. Das ist natürlich angenehmer. Die Tage sind kürzer, das Klima kühler", erzählt Ferit Kocatürk. In diesem Jahr sei das Klima trotz der Sommerzeit angenehm. "Ich hatte nur am Anfang Kopfschmerzen. Ich erinnere mich an Jahre, wo es viel schlimmer war."

Für ihn sei die Fastenzeit keine Herausforderung. "Es ist eine mentale Sache. Wenn man mit dem Herzen dabei ist, ist der Mensch zu vielem fähig. Da ist der Verzicht auf Essen und Trinken eine Kleinigkeit." Auch wenn die ersten zwei, drei Tage der Fastenzeit immer etwas anstrengend seien, weil der Körper sich erst umstellen muss, genieße er den Ramadan. "Ich sehe es als angenehme, als schöne Zeit. Das gemeinsame Fastenbrechen, das Gefühl, etwas gemeinsam durchgestanden zu haben, ist eine schöne Angelegenheit."

Gemeindemitglieder spenden Essen

Draußen vor der Moschee in Hervest laufen schon am Nachmittag die Vorbereitungen für das Fastenbrechen am Abend. Jeden Tag bringt eine andere Familie Essen für die 100 bis 150 Gemeindemitglieder mit. Dann essen, trinken und beten sie gemeinsam - und wenn die Morgendämmerung beginnt, fasten sie wieder bis zum nächsten Abend.

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