Feuerwehr-Held aus Dorsten glaubt: Jeder kann ein Lebensretter sein

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Markus Terwellen hat einem Bewusstlosen das Leben gerettet, weil er der Frau telefonisch half. Der Feuerwehrmann aus Dorsten sieht sich nicht als Held, sondern hat eine andere Theorie.

Dorsten

, 31.07.2019, 16:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Markus Terwellen arbeitet seit zwei Jahren in der Feuerwehr-Leitstelle in Recklinghausen, nimmt Notrufe aus dem ganzen Kreisgebiet an. Der Rhader, der auch Pressesprecher der Feuerwehr Dorsten ist, hat schon eine Menge erlebt. Doch dieser 12. Mai 2019 wird ihm in Erinnerung bleiben.

Wie viele Menschen haben Ihnen in den letzten Tagen auf die Schulter geklopft?

Keine Ahnung, aber so viele waren das gar nicht. Die Geschichte ist vor allem viral gegangen, in den sozialen Medien gab es viel Lob. Persönlich haben mich nur ein paar Bekannte und Kollegen darauf angesprochen.

Und Sie haben wahrscheinlich geantwortet: Das ist mein Job...

Auf jeden Fall, das ist ja keine Seltenheit mehr, dass wir das so machen. Das Besondere war jetzt tatsächlich, dass das Ehepaar sich bedankt hat. Das erwartet letztlich keiner, aber man freut sich trotzdem darüber.

Wie oft passiert es denn in der Leitstelle, dass ein Notruf aus dem Kreisgebiet kommt und Sie parallel die Kollegen zum Einsatzort dirigieren und telefonische Hilfe leisten?

Genaue Zahlen habe ich nicht, aber mehrmals pro Woche bestimmt.


Und immer erfolgreich?

Häufig bekommen wir das gar nicht mit. Wenn der Rettungsdienst vor Ort ist und übernimmt, sind wir in der Leitstelle raus. Wir bekommen vielleicht noch mit, dass der Patient ins Krankenhaus gebracht wird, aber dann ist die Sache für uns beendet.

Feuerwehr-Held aus Dorsten glaubt: Jeder kann ein Lebensretter sein

In der Kreisleitstelle der Feuerwehr gehen die Notrufe aus dem gesamten Kreisgebiet ein und werden "verteilt". Manchmal müssen die Mitarbeiter auch telefonisch Erste Hilfe leisten, bevor der Rettungsdienst vor Ort ist. © Kreis Recklinghausen



Ein Telefonat mit einem besorgten Angehörigen ist eine besondere Stresssituation. Kann man das lernen?

Es gibt eine Fortbildung mit mehreren Modulen, die nennt sich „Telefon-Reanimation“. Das ist ein Art Notruf-Training. Wenn sich ein Angehöriger meldet, ist das aber noch mal eine andere Herausforderung, als wenn jemand einen Fremden in einer Notlage findet. Das ist immer eine Ausnahmesituation, aber bei Angehörigen noch mal extremer.
Die Kollegen in der Leitstelle sind erfahren, haben ein paar Jahre Einsatzdienste gemacht. Sie kommen aus der Praxis, haben viel gesehen und können sich in viele Dinge hineinversetzen. Das ist natürlich gut. Aber man muss wohl auch ein ruhiges Wesen haben und stressresistent sein, um alles richtig zu machen.

Was ja nichts daran ändert, dass viel zu wenige Menschen Ahnung von Erster Hilfe haben.

Stimmt, das ist wohl so. Mit Erster Hilfe hat man ja wenig zu tun, wenn man nicht gerade in einem Pflegeberuf arbeitet oder mit dem Rettungsdienst zu tun hat. Man merkt dummerweise erst, wenn man Erste Hilfe anwenden muss, dass man es nicht mehr kann.

Feuerwehr-Held aus Dorsten glaubt: Jeder kann ein Lebensretter sein

Markus Terwellen (r.) und sein Kollege Dirk Heppner sind die Pressesprecher der Feuerwehr Dorsten. © Guido Bludau

Rührt daher die Angst, im Notfall etwas falsch zu machen?

Natürlich. Wer regelmäßig in diesem Bereich trainiert wird, hat weniger Berührungsängste. Ansonsten fürchtet man, etwas falsch zu machen und lässt es vielleicht lieber.

Kann man bei Erster Hilfe überhaupt etwas falsch machen?

Bei der Reanimation sicherlich nicht. Da macht man alles verkehrt, wenn man nichts macht. Der Rettungsdienst braucht acht Minuten, vielleicht auch etwas länger. Diese therapiefreie Zeit muss überbrückt werden. Der Ersthelfer ist eigentlich die wichtigste Person in der Rettungskette. Deshalb sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen. Und im Ernstfall auf die telefonischen Anweisungen hören, aber nicht einfach auflegen und auf den Rettungsdienst warten. Dieses Anspruchsdenken ist falsch. Die Leute können viel mehr tun.

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