Feuerwehr-Rente: Viel Zustimmung in Dorsten, aber was ist mit anderen Ehrenamtlichen?

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Ehrenamtliche Feuerwehrleute in Dorsten sollen eine „Rente“ bekommen. Neu ist diese Idee nicht, sie bekommt aber viel Zustimmung. Doch was ist mit anderen Ehrenamtlichen?

Dorsten

, 25.10.2019, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie riskieren manchmal Leib und Leben, wenn sie anderen Menschen helfen. Doch Geld bekommen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Dorsten nicht. Das könnte sich bald ändern, wenn der Stadtrat das Finanzkonzept absegnet.

Angesichts der positiven Resonanz haben die Politiker trotz aller aktuellen Geldsorgen wohl kaum eine Wahl. Am 30. Oktober diskutieren sie die Vorschläge erstmals.

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„Mehr als angemessen“, findet Bürgermeister Tobias Stockhoff die Prämie, wenn sich die ehrenamtlichen Wehrleute aus dem aktiven Dienst verabschieden. „Denn diese Männer und Frauen opfern neben viel Freizeit auch ein Stückchen ihrer Gesundheit für unsere Sicherheit.“

Feuerwehr-Rente gibt es schon in anderen Städten

Bei Facebook gab es nur Zustimmung für die Pläne, die die Stadt jedes Jahr mindestens 50.000 Euro kosten würde. Den Anstoß hatte die CDU im Frühjahr 2018 gegeben, neu ist die Idee allerdings nicht. In vielen Städten und Gemeinden bundesweit gibt es eine Feuerwehr-“Rente“ bereits, im Kreis Recklinghausen waren Herten und Waltrop die Vorreiter. In Thüringen ist jede Kommune sogar dazu verpflichtet, das Land beteiligt sich mit 50 Prozent an den Kosten.

Die Feuerwehr genießt ein hohes Ansehen in Dorsten. Ehrenamtliche Arbeit wird aber ohnehin besonders wertgeschätzt. Herausragende Projekte und Personen werden alljährlich bei einer Gala gewürdigt. Nachbarschaftsprojekte werden ausgezeichnet, ein Bürgerbudget unterstützt Dinge, die der Allgemeinheit zu Gute kommen.

Die Entscheidung darüber treffen nicht die Politiker, sondern die Teilnehmer der Stadtteilkonferenzen, flächendeckend in ganz Dorsten. „Das gibt es meines Wissens in keiner anderen Stadt“, sagt der Bürgermeister. Aber ist die Freiwillige Feuerwehr mehr wert als andere ehrenamtliche Arbeit?

Stadt erstickt eine mögliche Neiddebatte im Keim

„Nein“, sagt Hans-Jürgen Schulz, „man sollte alle gleich behandeln.“ Der Dorstener hat „nichts gegen die Feuerwehr“, fragt aber: „Was ist mit den anderen ehrenamtlich Tätigen?“ Viele ältere Wehrleute seien zur Feuerwehr gekommen, um einem Grundwehrdienst zu entgehen. „Sie erhielten ihr normales Gehalt, wurden nicht irgendwo in Deutschland stationiert und sollen jetzt dafür belohnt werden?“ Für Hans-Jürgen Schulz ist das „zweifache Vorteilsnahme“.

Eine denkbare Neiddebatte versucht die Stadtverwaltung aber schon im Keim zu ersticken. „Die ehrenamtlichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr setzen oft

ihren Mut ein und riskieren zum Teil ihre Gesundheit“, sagt der Technische Dezernent Holger Lohse. „Hierdurch unterscheidet sich die Tätigkeit von denen in gemeinnützigen Vereinen.“

Lohse betont außerdem, dass die hauptamtliche Feuerwehr deutlich aufgestockt werden müsste, wenn es zu wenige freiwillige Einsatzkräfte gäbe. „Das wäre deutlich teurer als eine einmalige Leistungs- und Gefahrenprämie für Ehrenamtliche.“

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