Feuerwehr: Wenn Menschenleben gefährdet sind, zählen Macken am Auto nicht

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Autos, die an Kreuzungen parken. Autos, die auf Gehwegen stehen. Autos, die die Straßen so verengen, dass Feuerwehrfahrzeuge nicht durchkommen. Für die Feuerwehr ein zunehmendes Problem.

Dorsten

, 10.10.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Gerichtsviertel hat die Stadt Dorsten dieser Tage kurzerhand ein Parkverbotsschild in der Katharinenstraße zwischen Alter Postweg und Agathastraße aufstellen lassen.

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Zu dieser Maßnahme sah sie sich gezwungen, weil beidseitig geparkte Autos in der Katharinenstraße die Fahrbahn so verengt haben, dass Einsatzfahrzeuge im Ernstfall nicht mehr durchgekommen wären. Dazu hat uns die Feuerwehr Fragen beantwortet.

? Was geht vor: Menschenleben oder Macken an Autos? Wenn Menschenleben in Gefahr sind, zählen Materialschäden nicht; dann nehmen die Einsatzkräfte in Kauf, dass geparkte und auch eigene Fahrzeuge beschädigt werden. In der Praxis ist es in Dorsten aber noch nicht zu gravierenden Beschädigungen gekommen. Gelegentlich kommt es zu abgefahrenen Spiegeln, dies aber häufiger im Rettungsdienst als bei Feuerwehreinsätzen.

Einsatzfahrten bedeuten für die Einsatzkräfte eine erhebliche Gefährdung. Untersuchungen sprechen von einem 17-fach erhöhten Unfallrisiko. Die Einsatzkräfte wissen bei der Alarmierung zu einem Wohnungsbrand, dass das rechtzeitige Eintreffen Gesundheit und Leben von Menschen schützen kann.

Verengte Fahrbahnen führen dann zu einer weiteren Stresserhöhung für die Einsatzfahrzeugfahrer und damit auch zu einem Unfall- und Verletzungsrisiko aller haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die sich auf den Einsatzfahrzeugen befinden.

? Wie häufig begegnet die Feuerwehr solchen brenzligen Parksituationen in Dorsten?

Überall im Stadtgebiet gibt es Engstellen, die Formulierung „brenzlig“ ist aber sicherlich überspitzt. Zu beachten ist auch: 95 Prozent der Anfahrten führen über Haupt- und ausreichend breit ausgebaute Erschließungsstraßen. Die Engstellen befinden sich wenn, dann auf den letzten Metern in den Stichstraßen und Wohngebieten.

? ? Hat sich das im Laufe der Jahre zugespitzt (weil immer mehr Fahrzeuge im Straßenraum unterwegs sind)?

Der gefühlte Eindruck der Einsatzkräfte ist: Ja, es kommt zunehmend häufiger zu Engstellen durch falsch oder unbedacht abgestellte Fahrzeuge. Von einer „Zuspitzung“ kann hier aber keine Rede sein.

? Wie reagieren die Bürger auf eine klare Ansage?Wenn Bürgerinnen und Bürger sich bewusst machen, dass es auch bei ihnen jederzeit zu einem Brand kommen kann und die Feuerwehr dann möglichst schnell den Einsatzort erreichen muss, hat jeder Verständnis für das Anliegen der Rettungskräfte.

Deshalb der (wiederholte) Appell an alle Autofahrer: Wenn Sie parken, achten Sie darauf, ob auf dem Gehweg noch ein Rollstuhl passieren kann und auf der Fahrbahn noch ein breites Feuerwehrfahrzeug oder der Müllwagen durchpasst. Die Anordnung von Parkverboten sollte im Interesse von allen Bürgerinnen und Bürgern immer das letzte Mittel sein.

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