Finanzspritze für Haus-Verschönerungen: Es gibt eine lange Warteliste

rnWir machen Mitte

Ein Hochhaus, ein Geschäftsgebäude und eine Villa - nur drei der Immobilien, die von einem Verschönerungsprogramm finanziell profitieren. Es gibt inzwischen eine lange Warteliste.

Dorsten

, 09.07.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das acht-geschossige Hochhaus am Rande der Dorstener Fußgängerzone hatte eine optische Auffrischung dringend nötig. „In den 15, 20 Jahren zuvor war an der Außenfassade nichts mehr gemacht worden“, erklärt Thorsten Beckmann, Prokurist der Dorstener Wohnungsgesellschaft (DWG).

Wie praktisch für das städtische Unternehmen, dass in der Lippestadt derzeit das Stadtumbau-Projekt „Wir machen Mitte“ mit seinem Zugang zu öffentlichen Fördermitteln läuft.

46.000 Euro-Projekt

Denn so konnte der Außenanstrich des Gebäudes am Westwall/Finkennest aus dem Jahr 1972 mit seinen 40 Wohneinheiten auch mit einer Finanzspritze aus dem „Wir-machen-Mitte-Topf“ bezahlt werden. Eine halbe Million Euro kostete die sechsmonatige Sanierungsmaßnahme, die Anfang dieses Jahres abgeschlossen war, insgesamt. 46.000 Euro gab es als Zuschuss aus dem Hof- und Fassadenprogramm.

„Das ist das größte und teuerste Projekt, das wir bislang aus diesem Programm finanziert haben“, sagt Volker Deutsch vom Planungsamt der Stadt. Als Unterstützungs-Instrument für die Innenstadt-Erneuerung wurde es im Jahr 2017 aufgelegt, Ende kommenden Jahres läuft es aus.

Schon einmal profitiert

Die DWG profitierte schon einmal vom Hof - und Fassadenprogramm. Der sanierte Gebäudekomplex an der Ursulastraße/Ecke Nonnenstiege, den die DWG für den Eigentümer verwaltet, war 2017 eine der ersten Maßnahmen, die gefördert wurden. In diesem ersten Jahr wurden 28.000 Euro ausgeschüttet, 25.000 Euro in 2018. Dann geriet es richtig in Fahrt auf: 2019 nahmen Immobilieneigentümer in der Altstadt 66.000 Euro in Anspruch - darin ist das DWG-Haus gar nicht mitgerechnet.

Auch das Gebäude der Goldschmiede Bellendorf in der Innenstadt bekam einen neuen Anstrich.

Auch das Gebäude der Goldschmiede Bellendorf in der Innenstadt bekam einen neuen Anstrich. © Michael Klein

Einer der Gebäude-Besitzer ist der Dorstener Goldschmiedemeister Engelbert Bellendorf. Er hat im Vorjahr dem markanten Giebel-Gebäude an der Recklinghäuser Straße/Ecke Ostwall ein neues sandsteinfarbenes Outfit angedeihen und auch 27 Fenster aufarbeiten lassen.

Varianten ausprobiert

Er hat im Vorfeld unterschiedliche Farb-Varianten an der Hauswand ausprobieren lassen, bis er sich für den jetzigen Ton entschied. „Der nimmt sowohl den Farbton der Agatha-Kirche als auch den des neuen Innenstadt-Pflasters auf“, begründet er seine Wahl.

Damals war noch Kai Stege vom „Wir-machen-Mitte“-Stadtteilbüro an der Gahlener Straße für das Hof- und Fassadenprogramm zuständig. Inzwischen hat Annette Schulze-Schlichtegroll (Architekturbüro SchmidtPlanung) diese Aufgabe übernommen.

„Spannendes Projekt“

Das DWG-Hochhaus war das erste Projekt, mit dem sie betraut war. „Viele Bürger können mit dem Gebäude nicht viel anfangen“, weiß sie. „Aber ich finde es mit seinen Vor- und Rücksprüngen architektonisch sehr spannend.“

Rote Farbe für die Balkone und zwei unterschiedliche Grautöne sorgen für weitere Akzente, der milchig-weiße Grundton nimmt Bezug zu den gegenüberliegenden Mercaden. „Viel zeitgemäßer als das kalte Blau, das hier vorher war“, urteilt Architekt Hans Schmidt-Domogalla, dessen Büro als „Subunternehmer“ die Mitarbeiterin Annette Schulze-Schlichtegroll für das Stadtteilbüro abgestellt hat.

Till Blackstein (Stadtteilbüro Wir machen Mitte), Hans Schmidt-Domogalla (Architekturbüro Schmidt-Planung), Annette Schulze-Schlichtegroll (Quartiersbaumeisterin Stadteilbüro), Volker Deutsch (Planungsamt Stadt Dorsten) und Thorsten Beckmann, Prokurist der Dorstener Wohnungsgesellschaft).

Till Blackstein (Stadtteilbüro Wir machen Mitte), Hans Schmidt-Domogalla (Architekturbüro Schmidt-Planung), Annette Schulze-Schlichtegroll (Quartiersbaumeisterin Stadtteilbüro), Volker Deutsch (Planungsamt Stadt Dorsten) und Thorsten Beckmann, Prokurist der Dorstener Wohnungsgesellschaft). © Michael Klein

Die neue „Quartiers-Baumeisterin“ hatte im September 2019 die mehrere Monate lang verwaiste Stelle übernommen. Sie hat sich damals ganz neu in die Materie einarbeiten muss. Beispielsweise auch in die Anforderungen des Denkmalschutzes. Wie bei der markanten Villa am Schölzbach - an der Ecke Kirchhellener Straße/Ecke Schillerstraße - die ganz aktuell umgestaltet wird.

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Viele Gespräche mit interessierten Immobilien-Eigentümern waren durch die mehrmonatige Stellen-Vakanz liegen geblieben, die Förder-Richtlinien wurden mehrfach überarbeitet, die Beratungen immer intensiver und aufwändiger - und dann kam auch noch die Corona-Krise, die den Austauch mit den Interessierten lange lahm legte. „Deswegen haben wir derzeit 70 Interessenten in der Warteschleife“, sagt Volker Deutsch vom Planungsamt.

Diese denkmalgeschützte Villa an der Ecke Kirchhellener Allee/Schillerstraße wird derzeit mit Mitteln aus dem Hof- und Fassadenprogramm saniert.

Diese denkmalgeschützte Villa an der Ecke Kirchhellener Allee/Schillerstraße wird derzeit mit Mitteln aus dem Hof- und Fassadenprogramm saniert. © Michael Klein

Nach anfänglichen Anlaufproblem hat sich nach Aussage der Beteiligten das Hof- und Fassadenprogramm zum Erfolgsmodell entwickelt. Einschließlich des DWG-Hochhauses wurden auch für dieses Jahr bereits 96.500 Euro Fördermittel bewilligt. 13 Projekte seien abgerechnet, mehr als 15 Maßnahmen derzeit in Bearbeitung. „Darunter drei, vier Projekte, bei denen Hinterhöfe begrünt werden“, sagt Till Blackstein vom Stadtteilbüro.

Innenhof begrünt

Wie etwa vom „Co-Working-Space U 7“ mitten in der Innenstadt, die den Parkplatz im Innenhof neu strukturiert und ihn am Rand bepflanzt haben. „Die Parkfläche wird natürlich nicht gefördert“, so Blackstein.

275.000 Euro stehen laut Stadt im Programm bis 2021 noch zur Verfügung.

Ob die Warteliste beim Hof -und Fassadenprogramm bis zum Ende des Stadtumbauprogramms im Jahr 2021 abgearbeitet werden kann, erscheint fraglich. „Wer jetzt noch kommt, den können wir nur vertrösten“, sagt Annette Schulze-Schlichtegroll. Dabei hätte sie noch so einige Favoriten, also lohnenswerte Objekte, die nur darauf warten, wieder attraktiver zu erscheinen.

Der Parkplatz im Innenhof der Ursulastraße 7 ist neu strukturiert und mit Mitteln aus dem Hof- und Fassadenprogramm neu begrünt worden

Der Parkplatz im Innenhof der Ursulastraße 7 ist neu strukturiert und mit Mitteln aus dem Hof- und Fassadenprogramm neu begrünt worden. © Michael Klein

Wie etwa an der Bochumer Straße, wo ein Eigentümer sein historisches Haus auffrischen möchte. „Daneben in der Reihe gibt es aber zwei weitere, die alle zusammen ein ganzes Ensemble bilden“, sagt die Quartiers-Baumeisterin. „Doch leider wollen die anderen Inhaber derzeit noch nicht.“

Und bei aller Liebe zur Stadtgestaltung: Mit Vorgaben überrollen will Annette Schulze-Schlichtegroll niemanden: „Die Leute sollen sich ja in ihrem Zuhause wohlfühlen“, betont sie.

Informationen zum Hof- und Fassadenprogramm gibt es auf der Homepage von „Wir machen Mitte“ Kontakt: Annette Schulze-Schlichtegroll, Stadtteilbüro Gahlener Straße 9, E-Mail stadtteilarchitektur@wirmachenmitte.de
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