Flüchtlingsgipfel in Barkenberg

Neues Netzwerk

Barkenberg bereitet sich mit einem Netzwerk an Hilfsangeboten auf Flüchtlinge vor. Am Mittwochabend fand im Gemeinschaftshaus ein "Flüchtlingsgipfel" mit 150 Beteiligten statt. Fest steht: Die Hilfsbereitschaft im Ort ist enorm.

Dorsten

, 19.11.2015, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

400 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Iran und Irak wurden in Dorsten 2015 sesshaft, 100 davon in Barkenberg. Das sind all jene, die mehrere Jahre bei uns bleiben dürfen, weil sie einen Aufenthaltsstatus als Bürgerkriegsflüchtlinge haben oder ihnen Asyl gewährt wurde.

Für 2016 werden 2200 Neuankömmlinge prognostiziert, sollten die Schätzungen des Landes NRW annähernd stimmen. "Es können aber auch weniger sein. Oder mehr. Das weiß niemand genau", machte Sozialamtsleiter Thomas Rentmeister deutlich.

Da macht es Sinn, schon jetzt Hilfsangebote zu bündeln. Die Hilfsbereitschaft ist in Dorsten ohnehin ausgeprägt. Bürgermeister Tobias Stockhoff erzählte, dass einige Amtsbrüder in Nachbarstädten neidisch reagierten, weil Dorsten so viel ehrenamtliche Unterstützung bei der Betreuung und Begleitung der Migranten hat.

In sinnvolle Bahnen lenken

Allerdings müssen Hilfsangebote in sinnvolle Bahnen gelenkt werden, da waren sich die Diskussionsteilnehmer am Mittwoch einig. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Eickmann-Gerland und Hannes Schmidt-Domogalla (Förderverein Pro GHW), die die Menschen in Barkenberg ermunterten, zu helfen: "Integration ist ganz leicht. Bieten Sie Ihre Hilfe an."

Wie mühelos das gehen kann, machte Swen Coralic, Wulfener SPD-Ratsherr, am Beispiel von Dafe deutlich. Der junge Mann ist aus Nigeria zu uns gekommen und ein begeisterter Kicker. „Eines Tages stand er bei uns in Barkenberg auf dem Platz und bot uns seine Hilfe an. ‚Ich sehe, ihr versucht, Fußball zu spielen. Ich kann Fußball spielen‘, machte Dafe uns klar“, erzählte Coralic augenzwinkernd.

Danke für würdige Aufnahme

Kaum die Fußballschuhe geschnürt, wirbelte Neuzugang Dafe als Stürmer über den Platz von Grün-Weiß Barkenberg und lehrte seine Trainingspartner das Fürchten. Sein größter Wunsch: „Ich möchte mit dem Team Pokale gewinnen und Geschichte schreiben“ – viele Barkenberger zeigten sich gerührt, zumal der Nigerianer sich zuvor mit warmen Worten „für die würdige, respektvolle Aufnahme in Dorsten“ bedankt hatte. So wie es aussieht, ist Dafe sehnlichster Wunsch, bei Ligaspielen mit auflaufen zu dürfen, umgehend erfüllt worden. Coralic rief gestern an und teilte mit: „Wir haben gerade den Spielerpass vom Fußballverband Westfalen bekommen.“ Für Bewegung sorgte am Mittwochabend aber auch der Beitrag von Sven Neumann, Jugendarbeiter der evangelischen Jugendhilfe Friedenshort: „Wir haben aktuell vier minderjährige Jungen aus Syrien in unserer integrativen Jugendwohngruppe in Dorsten aufgenommen. Es handelt sich um Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, ein Junge ist erst elf und wie alle anderen ohne Begleitung nach Deutschland gekommen“, erzählte Neumann.

Welche Hilfsangebote es gibt und was alles noch angestoßen werden soll, wurde am Mittwochabend zusammengetragen.

Bibi am See: Flüchtlinge können kostenlos Computer und WLAN zu den Öffnungszeiten nutzen. › Internetpräsenz mit ständigen aktualisierten Angeboten: Ende November geht die Seite www.dorstener-helfen.de an den Start. › Markt-Café: jeweils dienstags und freitags von 8 bis 12 Uhr im Gemeinschaftshaus. Ein Ehrenamtlicher soll dort demnächst mit einem Infotisch für die weitere Vernetzung der Flüchtlingsangebote in Barkenberg sorgen. › Gemeinschaftshaus Wulfen: Hausleiter Oliver Grimm sagte, das GHW stehe Flüchtlingen offen, sie dürften Kursangebote kostenlos nutzen: „Wir wollen voneinander, miteinander lernen.“ › Café international: Frauen der katholischen Kirchengemeinden in Wulfen bieten am Freitag (27.11.), 15.30 bis 17 Uhr, einen Treff an. „Hier sollen Anwohner und Flüchtlinge zwanglos zusammenkommen.“ › Rottmannshof: Bastel- und Spielangebote für Flüchtlingskinder. › AWO-Stadtverband: Zwei Räume werden am Wall für Treffen zur Verfügung gestellt. Außerdem Fahrdienst für bis zu neun Personen, das ist für die Flüchtlingskinder interessant, die das Angebot im Rottmannshof annehmen möchten. Darüber hinaus soll es ein kostenloses Frühstücksangebot geben. › Deutsch-Sprachkurs: Monika Gamow, Chefin eines Weiterbildungsbüros an der Barbarastraße, bietet 25 Flüchtlingen einen achtwöchigen Sprachlehrgang an. „Der Kurs wird von der Bundesagentur für Arbeit finanziert.“  

 

 

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