Forscher findet NS-Raubgut im Jüdischen Museum

rnJüdisches Museum Westfalen

Im Bestand des Jüdischen Museums hat ein Forscher Bücher entdeckt, die ursprünglich jüdischen Gemeinden in Frankfurt, Berlin und München gehörten. Dahin soll das NS-Raubgut wieder zurück.

Dorsten

, 21.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sebastian Braun ist seit Juni im Jüdischen Museum Westfalen auf Spurensuche. Im Zuge des Projekts „Provenienzforschung“ schaut der Historiker sich die Objekte in der Sammlung des Museums genau an und erforscht ihre Herkunft. Nun hat er eine spannende Entdeckung gemacht.

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Im Bestand des Museums fand er drei historisch wertvolle Bücher. Es handelt sich um Ausgaben der Zeitschrift „Populär-wissenschaftliche Monatsblätter. Zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen“, die Ende des 19. Jahrhunderts herausgegeben wurde: Jüdisches Kulturgut, das früher einmal deutsch-jüdischen Gemeinden gehört hatte und bei der systematischen Plünderung jüdischer Institutionen und Organisationen durch die Nationalsozialisten geraubt wurde.

Bücher sollten eigentlich aus dem Land geschafft werden

Die gefundenen Bücher konnte Braun anhand von Besitzstempeln jüdischen Gemeinden in Berlin, Frankfurt am Main und München zuordnen. Ihm fiel auch das Motiv der „Jewish Cultural Reconstruction“ in den Einbänden der Bücher auf.

Sebastian Braun erforscht die Geschichte hinter den Exponaten im Jüdischen Museum Westfalen.

Sebastian Braun erforscht die Geschichte hinter den Exponaten im Jüdischen Museum Westfalen. © Lydia Heuser (Archiv)

„Diese jüdische Organisation kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, hat nach geraubtem jüdischen Kulturgut gesucht und es in Depots gelagert“, sagt der Historiker. „Und eigentlich war das Ziel, es aus Deutschland rauszuschaffen, weil man der Ansicht war, dass jüdische Kultur hier keine Zukunft mehr hat.“

Die nun gefundenen Bücher haben es aber offensichtlich nicht aus dem Land geschafft. „Sie sind auf irgendwelchen Wegen auf den Markt gekommen“, sagt Sebastian Braun. „Wo genau sie sich befanden, konnten wir nicht aufdecken.“ Das Museum hatte sie Ende der 1980er-Jahre von einem Antiquariat angekauft.

„Steht uns gar nicht zu, diese Bücher hier zu haben“

„Im Prinzip steht es uns gar nicht zu, diese Bücher hier zu haben“, betont Braun. „Sie gehören den jüdischen Gemeinden.“ Und da sollen sie bald auch wieder hin. Braun hat schon Kontakt aufgenommen, für den kommenden Sommer ist etwa schon eine offizielle und öffentliche Übergabe an die Gemeinde in Frankfurt vorgesehen. Nach mehr als 75 Jahren kehren die Bücher dann wieder zu ihren rechtmäßigen Besitzern zurück.

Der ideelle Wert sei hoch und es komme vor allem auf das Zeichen an, das man mit der Rückgabe setze, so Braun. „Dass man dadurch ein bisschen zu moralischer Gerechtigkeit beiträgt.“

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