Fräulein Bernardine Herwers schrieb als erste Lehrerin in Wulfen Geschichte in Dorsten

rnLehrerinnenzölibat

Frauen hatten lange nicht die Wahl: Ehefrau, Hausfrau, Mutter oder ein Beruf ließen sich bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht unter einen Hut bringen. Bernardine Herwers schrieb Geschichte.

Dorsten

, 12.08.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Wulfenerin Marion Rible hat sich begeistert in die Recherche über Bernardine Herwers gestürzt, die nach Einführung des Frauenwahlrechts 1918 zu den ersten Frauen gehörte, die sich für die Gemeinderatswahl in Wulfen am 2. März 1919 hatte aufstellen lassen. 53 Jahre alt war Bernardine Herwers zu dem Zeitpunkt. Eine gestandene Frau, die sich als Lehrerin in Wulfen ihre Brötchen selbst verdiente.

Bernardine Herwers hat eine Frauenbiografie, die völlig atypisch für ihre Zeit war. Bernardine Herwers, 1865 geboren, stammte aus einem katholischen Elternhaus im westfälischen Diestedde und hatte einen Vater, der seine Familie selbst nicht ernähren konnte.

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Das war wohl Ansporn genug für die tüchtige und gescheite junge Frau, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Bewusst entschied sie sich für die Lehrerinnenausbildung. Frauen, die diesen Weg einschlugen, hatten dann nur noch eine Wahl: ein zölibatäres Leben wie die katholischen Priester zu führen und sich ganz ihrem pädagogischen Auftrag hinzugeben.

42 Jahre lang an der katholischen Mädchenschule unterrichtet

Nach Ausbildung und erster Anstellung als Privatlehrerin trat Bernardine Herwers 1889 ihre erste Stelle in Wulfen an, wo sie 42 Jahre lang - bis zu ihrer Pensionierung 1931 - an der katholischen Mädchenschule unterrichtete. „Sie war als Lehrerin beliebt“, weiß Marion Rible, die sich intensiv mit der interessanten Persönlichkeit beschäftigt hat. Rible fand heraus, dass Herwers nach ihrer Pensionierung nach Münster ging, wo sie bis 1936 in einer Wohngemeinschaft mit drei anderen Pensionärinnen lebte.

„Für mich ist Bernardine Herwers eine mutige Vertreterin der katholischen Frauenbewegung, die in turbulenten Zeiten katholischen Frauen den Weg in die Welt von morgen ebnete“, sagt Marion Rible in einem Interview anlässlich der Veranstaltung „Wulfener Frauen in der Politik“ im Zuge der Frauenkulturtage: „Schade, dass ich kein einziges Foto von ihr finden konnte.“

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