Frauenarzt muss Dorstenerin 20.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Brustkrebs zu spät entdeckt

Ein Dorstener Frauenarzt muss einer heute 66-jährigen Dorstenerin Schadensersatz zahlen, weil er seiner Patientin, bei der im Jahre 2010 Brustkrebs diagnostiziert wurde, nicht frühzeitig zu einem Mammographie-Screening geraten habe.

Dorsten/Hamm

09.09.2013, 14:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser nahm jährliche Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen vor, bei denen er neben der klinischen Untersuchung eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Brust veranlasste. Im Jahre 2001 fand eine Mammographie statt, zu deren Wiederholung der Beklagte der Klägerin erst im Jahre 2010 riet. Aus der dann durchgeführten Mammographie ergab sich der Verdacht eines Mammakarzinoms in einer Brust. Der Tumor wurde in der Folgezeit diagnostiziert und operativ behandelt, wobei befallene Lymphknoten entfernt werden mussten. Im Anschluss musste sich die Dorstenerin einer Strahlentherapie und einer Chemotherapie unterziehen. Von ihrem Arzt verlangte sie Schadensersatz, unter anderem ein Schmerzensgeld von 25 000 Euro. Ihre Meinung: Der Brustkrebs sei bei ihr früher zu erkennen und weniger belastend zu behandeln gewesen, wenn ihr der Arzt bei der Krebsvorsorge ab dem Jahr 2002 zu einer Mammographie geraten hätte. Der 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat dem Klagebegehren weitgehend entsprochen und de Klägerin ein Schmerzensgeld von 20.000 Euro zugesprochen. Der Frauenarzt hafte, weil er der Klägerin nicht bereits bei der Vorsorgeuntersuchung im Jahre 2008 zur Teilnahme an einem Mammographie-Screening geraten habe.

Zu dieser Zeit sei eine Mammographie als einzig sichere Methode zur Senkung des Mortalitätsrisikos anerkannt gewesen. In dem speziellen Fall der Dorstenerin sei der unterlassene Rat, an einem Mammographiescreening teilzunehmen, sogar als grober Behandlungsfehler zu bewerten, weil es der Klägerin während ihrer Behandlung ersichtlich auf die Minimierung jedweden Brustkrebsrisikos angekommen sei und der Beklagte ihr zudem zuvor ein Medikament verordnet habe, das geeignet gewesen sei, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Zu Gunsten der 66-Jährigen sei deswegen davon auszugehen – den Nachweis eines anderen Verlaufs habe der Arzt aufgrund des groben Behandlungsfehlers zu erbringen, aber nicht erbracht –, dass sich bei einer bereits im Jahr 2008 erkannten Krebserkrankung noch keine Metastasen gebildet hatten und die Klägerin mit einer weniger belastenden Operation hätte behandelt werden können. Auch eine Chemotherapie wäre ihr dann erspart geblieben. Diesen Verlauf habe auch der im Verfahren gehörte medizinische Sachverständige für nicht unwahrscheinlich gehalten. Im Übrigen hätte sich bei einer früheren Behandlung eine günstigere Prognose für die 5-Jahres-Überlebensrate ergeben.

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