Führt Stromautobahn bald durch Dorsten?

Amprion-Pläne

Sie ist 300 Kilometer lang und führt von Emden einmal quer durchs Land nach Osterath. Ob die geplante "Stromautobahn" auch in Dorsten verlegt wird, ist ungewiss. Die Stadt liegt allerdings "mitten drin" im Untersuchungsraum.

DORSTEN

, 06.10.2016, 17:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Führt Stromautobahn bald durch Dorsten?

Kunststoffrohre, durch die Strom-Erdkabel gezogen werden, sind auf einer Amprion Baustelle in Raesfeld verlegt worden. On ähnliche Kabel auch irgendwann mal im Dorstener Boden liegen, ist noch unklar.

"Das heißt noch gar nichts", betonte Jonas Knoop, Sprecher des Dortmunder Netzbetreibers Amprion, am Donnerstag auf Nachfrage. "Wir untersuchen derzeit einen 20 bis 40 Kilometer breiten Korridor. Anfang 2018 müssen wir der Bundesnetzagentur verschiedene Trassenvorschläge machen." Der "öffentliche Dialog" mit 50 Multiplikatoren hat gerade erst begonnen und soll Amprion "ein Gefühl für den Raum geben". Mit Vertretern der Stadt Dorsten wird das Unternehmen wohl erst im nächsten Jahr Kontakt aufnehmen, sagte Knoop.

Auf möglichst direktem Weg soll die lange Leitung von Ostfriesland nach Nordrhein-Westfalen verlaufen und Strom aus Windkraft von Nord nach Süd transportieren. Vor 2021 wird "A-Nord" laut Knoop nicht gebaut. Nur die westlichste von drei Stromautobahnen läuft durch NRW und soll 2025 fertig sein.

Daten verfeinern

Ob die Erdkabel auch in Dorsten verlegt werden, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. "Wir müssen die Daten, die wir schon gesammelt haben, in den nächsten Jahren natürlich verfeinern", sagte der Amprion-Sprecher. Das bedeutet: Auch städtische Planungen fließen in die Überlegungen ein. Dass die Leitung mitten durch eine Siedlung läuft, gilt als unwahrscheinlich. "Gut möglich, dass sich der endgültige und etwa ein Kilometer breite Korridor jenseits der Dorstener Stadtgrenze befindet", so Knoop.

Fest steht, dass im Gegensatz zu früheren Projekten die Leitungen unterirdisch verlaufen. "Das ist technisch machbar, weil es sich um eine Gleichstrom-Leitung mit wenig Energieverlust handelt. Außerdem ist die Akzeptanz für ein solches Projekt in der Bevölkerung deutlich höher", beschreibt der Amprion-Sprecher die Vorgaben der Bundesnetzagentur.

RWE blieb hart

Dirk Hartwich (SPD Rhade) erinnerte am Donnerstag an die letztlich vergeblichen Bemühungen vor rund acht Jahren, die RWE von einer Erdverkabelung zu überzeugen. Der Konzern tauschte damals alte Strommasten von Hervest über Rhade ins Münsterland gegen neue, höhere aus. "Ein Eilantrag der Stadt Dorsten vor dem Verwaltungsgericht in Münster, die Erdverkabelung zu erzwingen, wurde abgelehnt, kam aber auch viel zu spät", erinnert sich Hartwich. "Mit mehr Weitsicht, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen hätte es auch hier eine andere Lösung geben können."

 

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