Aus Angst vor Schmerzen: Mehr als jede dritte Frau wählt Kaiserschnitt

rnGeburten in Dorsten

Der Kaiserschnitt sollte die zweite Wahl sein. Aber mehr als jede dritte Frau bekommt ihr Baby in Dorsten so. Das ist deutlich mehr als anderswo üblich. Angst vor Schmerzen ist ein Grund.

Dorsten

, 15.07.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Frauen ziehen den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vor: Dr. Simone Sowa, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus, bestätigt mit dieser Aussage aktuelle Zahlen des Landesbetriebes IT. NRW.

Dr. Simone Sowa

Dr. Simone Sowa © G. Schmidt

Laut dem statistischen Landesamt haben im Kreis Recklinghausen 1479 von 4347 Kinder per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt – 34 Prozent aller Geburten entfielen auf diese Geburtsmethode. „Damit liegt der Kreis Recklinghausen deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 29,9 Prozent und noch deutlicher über dem Bundesdurchschnitt von 17,3 Prozent.“

Die Innungskrankenkasse folgert daraus, dass die natürliche Geburt im Kreis Recklinghausen immer mehr durch den Kaiserschnitt verdrängt werde. Die Kasse sieht das mit Sorge.

Dr. Simone Sowa sagt auf Anfrage, dass sich diese Tendenz auch im Dorstener Krankenhaus widerspiegele. In Dorsten bekommen Frauen aus Dorsten ihre Babys, aber auch Mütter aus dem benachbarten Haltern, wo die Geburtshilfestation am Sixtus-Krankenhaus nicht mehr existiert.

Wunschkaiserschnitt zu einem bestimmten Termin

Warum Frauen den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorziehen, hat drei Gründe, so Sowa. „Manche Frauen haben Angst vor den Schmerzen, andere wünschen den Kaiserschnitt, weil die Babys immer schwerer werden, wieder andere wollen zu einem bestimmten Termin entbinden“, sagt Sowa und fügt hinzu: „Viele Frauen ziehen den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vor, und das Krankenhaus muss diesem Wunsch nachkommen.“

Dass die programm- und wunschgemäße Kaiserschnittentbindung Risiken hat, darüber werden die Mütter im Vorfeld aufgeklärt. Der Kaiserschnitt ist, so die IKK, „ein großer medizinischer Eingriff, der nicht gefahrlos ist“. So haben Frauen schon nach einer natürlichen Geburt ein erheblich gesteigertes Risiko, eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu bekommen, durch einen Kaiserschnitt steigt dieses Risiko aber noch weiter an.

Hohes Risiko für Diabetes Typ 1, Allergien und Asthma

Laut IKK haben Kaiserschnittkinder ein höheres Risiko, später an Diabetes Typ 1, Allergien, Asthma und Zöliakie, eine Überempfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen in der Nahrung, zu erkranken.

Wegen der Corona-Pandemie haben einige Frauen, die im Dorstener Krankenhaus entbunden haben, aber dann doch lieber auf den Kaiserschnitt verzichtet. Simone Sowa sagt, dass die Zahl der natürlichen Geburten in dieser Zeit zugenommen habe. Sie weist zudem darauf hin, dass das St.-Elisabeth-Krankenhaus die familienorientierte Geburtshilfe bevorzuge und Ärzte und Hebammen die werdenden Mütter ausführlich darüber aufklären.

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