Gedenkstein erinnert an die fast vergessene „Gottlosenschule“ in Dorsten

rnLokalgeschichte

Ein Gedenkstein erinnert künftig an die Baldurschule. Sie entstand nach langem Schulstreik für konfessionsfreie Klassen und ist ein spannender Teil der Dorstener Schulgeschichte.

Dorsten

, 20.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist einer jener versteckten und unauffälligen Orte in Dorsten, an denen man allerhöchstens rein zufällig vorbei kommt und deren interessante Vergangenheit gänzlich verborgen bleibt.

Spannende Historie

Dem rührigen Dorstener Heimatfreund Walter Biermann und seinen Mitstreitern vom Geschichtskreis Holsterhausen ist es zu verdanken, dass die spannende Historie dieses Grundstücks zwischen Söltener Landweg und der Lilienstraße nicht weiter dem Vergessen anheimfallen wird.

Denn ein Gedenkstein erinnert seit Freitag (20.12.) daran, dass hier einstmals die Baldurschule stand, später auch „Waldschule“ genannt, da sie im Jahre 1921 verschämt hinter dichten Baumreihen errichtet worden war. Katholiken und Protestanten aber nannten sie „Gottlosenschule“, da vor allem die Kinder von Kommunisten und Sozialdemokraten, aber auch von Zeugen Jehovas und Freidenkern unterrichtet wurden.

Gestaltet hat den am Freitag vor zahlreichen Gästen enthüllten Stein der Dorstener Steinmetz und Steinbildhauer Sascha Eiker. Passenderweise. Denn Eiker übernahm im Jahre 2016 die Führung des Familienunternehmens „Naturstein Bärtel“ - von jenem Willi Bärtel also, der, so berichtet Walter Biermann, als Schüler der „Gottlosenschule“ immer Angst gehabt hatte, weil er auf seinem Schulweg durch Holsterhausen von „den Gläubigen“ gejagt worden sei.

Auf dem Stein befindet sich eine Tafel mit dem Bild des alten, längst abgerissenen Gebäudes. Dazu ein, zwei Sätze über die Schule. Finanziert wurde er durch Mittel aus dem Bürgerbudget der Stadtteilkonferenz Holsterhausen, 25 Prozent übernahmen Sponsoren.

QR-Codes geplant

Da noch Geld übrig ist, will Walter Biermann noch QR-Codes installieren lassen, mit deren Hilfe Smartphone-Besitzer alle geschichtlichen Hintergründen erfahren können: Die konfessionsfreie Baldurschule wurde erst aufgrund eines monatelangen Schulstreiks von Dorstener Eltern im Jahre 1923 gegründet. Diese „Gewissensfreiheit“ betonte Dr. Norbert Reichling (Leiter des Jüdsichen Museums Westfalen), der in den spätern 1980er-Jahren die Historie der Schule erforscht hatte, am Freitag besonders. Und anders als damals immer wieder üblich, seien die Schüler hier nicht von ihren Lehrern geprügelt worden.

Von den Nazis aufgelöst

1933 lösten die Nationalsozialisten die Schule auf. Das Gebäude der Baldurschule wurde in der Folge als NS-Kindergarten genutzt, als Mädchen-Arbeitslager, als militärischer Standort einer Flakeinheit. Nach Kriegsende wurde es mit Notwohnungen belegt. Als rundherum die sogenannte „Blumensiedlung“ entstand, fiel das Gebäude in den 1950er-Jahren der Abrissbirne zum Opfer.

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