Corona und die Folgen: Nach 36 Stunden Irrflug landet Ehepaar aus Dorsten in Deutschland

rnGefährliche Epidemie

36 Stunden nach seinem Abflug in Kambodscha ist das Dorstener Ehepaar Alexandra Dorschu und Stefan Habel wohlbehalten in Deutschland gelandet. Die Heimkehr verlief dramatisch.

Dorsten

, 21.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war 20 Uhr donnerstags abends Ortszeit in Kambodscha, als die Eheleute Alexandra Dorschu und Stefan Habel endlich an Bord eines Flugzeuges saßen. Da hatten sie schon knapp sechs Tage Wartezeit in einem Hotel in Sihanoukville/Kambodscha hinter sich, wo sie als Passagiere des Kreuzfahrtschiffes „Westerdam“ gestrandet waren. Wegen Corona-Verdachts bei einer Mitreisenden aus Amerika.

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„Die Dame, die in Malaysia zunächst als mögliche Corona-Patientin ausgemacht worden war, ist zweimal innerhalb einer Woche getestet worden. Beide Male negativ“, berichtete Stefan Habel am Freitag gegenüber unserer Redaktion. Gleichwohl hatte der Verdachtsfall erhebliche Auswirkungen auf das Wohl weiterer mehr als 2000 Passagiere auf der Westerdam, zu denen auch Habel und Dorschu zählten.

Erleichterung währte nur kurz

Als sie am Donnerstagabend endlich Gewissheit hatten, dass der Heimflug bevorsteht, waren die Eheleute erleichtert. Allerdings nur für kurze Zeit. Denn der zunächst avisierte Rückflug über Tokio und dann Istanbul fand nicht statt. Stattdessen steuerte der Flieger Pakistan an: „Wir sind in Pakistan zwischengelandet, nachdem wir erst wieder abdrehen mussten“, sagte Habel.

Viele Länder verweigerten die ehemaligen Westerdam-Passagieren an Bord der zahlreichen Flugzeuge, die die Touristen nach Europa oder Amerika zurückfliegen sollten, den Überflug bzw. die Zwischenlandung auf ihren Airports. Aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Virus.

Der nächste Flieger ging nach Frankfurt

Am Freitagmorgen schickte Stefan Habel die Nachricht: „Sind gerade in Amsterdam gelandet.“ Da war es 6.36 Uhr Ortszeit in den Niederlanden und ein Ende des Heimfluges noch nicht in Sicht. Denn statt nach Düsseldorf ging der nächste Flieger für die beiden Dorstener erst einmal nach Frankfurt. Und da war das Paar schon 26 Stunden in Flugzeugen oder an Flughäfen unterwegs.

Die Anweisung des Robert-Koch-Institutes (RKI), dass die Passagiere der Westerdam in Deutschland einer strengen Quarantäne unterworfen werden sollten, wie Kreispressesprecher Jochem Manz noch am Donnerstag mitgeteilt hatte, wurde bei dem Hin und Her an den Flughäfen sowie der uninsolierten Aufnahme der ehemaligen Schiffspassagiere in den Flugzeugen regelrecht ad absurdum geführt. Trotzdem hätte den Touristen Quarantäne geblüht, wenn das Robert-Koch-Institut nicht noch am Freitagmorgen das Risiko herabgestuft hätte.

Bei Stufe I wären die Passagiere abgeschirmt worden

„Die Heimkehrer hätten bei Stufe I bis zum 28. Februar abgeschirmt in ihrer häuslichen Umgebung bleiben müssen“, sagte Kreissprecher Jochem Manz am Freitag. Nachdem das RKI Stufe II ausgerufen hatte, entfielen die sehr strengen Schutzauflagen. „Sie können am Montag wieder arbeiten gehen, sollten aber bei Krankheitsanzeichen umgehend Kontakt zum Kreisgesundheitsamt aufnehmen. Es hat eine 24-Stunden-Hotline für solche Fälle“, so Manz.

Insgesamt zehn Touristen aus Nordrhein-Westfalen waren nach Auskunft der Deutschen Presseagentur an Bord der Westerdam. Neben Dorschu und Habel noch ein weiteres Ehepaar aus dem Kreis Recklinghausen.

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