Elterntaxis an Grundschule: „Jeden Morgen könnte es zu zahlreichen Unfällen kommen“

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Rücksichtslose Eltern, die ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren würden, sind schon lange ein Problem in Dorsten. Auch an der Wilhelm-Lehmbruck-Schule herrscht täglich Chaos.

Dorsten

, 12.03.2020, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie parken an der Bushaltestelle, auf dem Gehweg und manche fahren sogar direkt bis auf den Schulhof: Rücksichtslose Eltern würden ihre Kinder am liebsten mit dem Auto bis ins Klassenzimmer fahren. Aus übertriebener Sorge um den eigenen Nachwuchs bringen sie andere Kinder in Gefahr. Was sich täglich an der Wilhelm-Lehmbruck-Schule in Östrich abspielt, schilderte eine Mitarbeiterin am Mittwochabend bei der Östricher Stadtteilkonferenz.

„Es ist grundsätzlich eine schlimme Situation“, sagte die Leiterin des OGS-Bereichs der Schule. „Aber an Regentagen ist es besonders schlimm, weil dann quasi alle gebracht werden.“

Kinder stehen auf der Straße, während sie ihre Sachen aus den Autos holen

Und dann herrscht gefährliches Chaos rund um die Grundschule an der Gahlener Straße. „Wenn Leute auf dem Gehweg parken, werden Türen einfach so aufgerissen und Kinder, die mit dem Roller kommen, fahren im schlimmsten Fall davor“, so die OGS-Leiterin. „Andere Kinder holen ihre Rucksäcke aus den Autos und stehen dabei auf der Straße. Da spielen sich dramatische Szenen ab.“

Die Schule verschickt regelmäßig Elternbriefe, um für die Problematik zu sensibilisieren. Aber es hilft nichts. Eltern würden auch Lehrerparkplätze blockieren, „weil sie denken, dass es wichtiger ist, dass sie dort parken und ihr Kind rauslassen, als dass Lehrer pünktlich zur Arbeit kommen.“

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Mit einem besonders dreisten Fahrer machte die OGS-Leiterin zur Abholzeit am Mittwochmittag Bekanntschaft. Der Mann fuhr seinen Wagen auf den Schulhof. Als er gebeten wurde, woanders zu parken, behauptete er nur, er dürfe das und fuchtelte mit irgendeinem Zettel. Erst auf wiederholtes Bitten setzte der Mann sein Auto in Bewegung - und stellte sich in die Feuerwehreinfahrt. Die machte er unter viel Protest erst wieder frei, als die OGS-Leiterin androhte, ihn zu fotografieren.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um den Opa eines Schulkindes. Die Schulleitung kontaktierte die Eltern des Kindes und die Mutter habe sich sehr geschämt für das Verhalten ihres Vaters. „Solche Sachen passieren halt immer“, sagte die OGS-Leiterin. „Wir versuchen einzuwirken, schreiben Briefe, aber es bessert sich nichts.“

Stadt will mit „drastischen Bildern“ gegensteuern

Das Problem betreffe nicht nur Östrich, sagte Bürgermeister Tobias Stockhoff auf der Stadtteilkonferenz. „Wir wollen jetzt versuchen, mit sehr drastischen Bildern den Eltern in den Kopf zu hämmern, was ihr Verhalten bedeutet.“ Aus seiner Sicht sei das ein „zutiefst unsoziales Verhalten“. „Da lasse ich auch keine Ausreden gelten. Die eigene Freiheit endet, wenn dadurch die Freiheit der anderen massiv gefährdet wird.“

Der Bürgermeister machte auch noch mal klar, dass die Stadt nicht überall kontrollieren könne und empfahl, Fotos der betroffenen Autos ans Ordnungsamt zu schicken: „Wenn sich Leute auf Behindertenparkplätze stellen, Hofeinfahrten zuparken oder vor Schulen im absoluten Halteverbot stehen, machen Sie ein Foto mit dem Kennzeichen und schicken Sie es ans Ordnungsamt. Die kriegen dann Post von uns.“

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Nach Ansicht der OGS-Leiterin ließe sich die Situation an der Wilhelm-Lehmbruck-Grundschule kurzfristig durch einige Modifikation am Zaun entschärfen. Die Kinder könnten so eher auf den Schulhof gelangen, ohne die Einfahrt zu passieren. Diese Option soll nun geprüft werden.

In der Nähe der Schule gibt es eigentlich Platz genug

Platz im Umfeld der Schule gibt es eigentlich genug. Der Fußweg vom Getränkehandel im Ortskern oder vom Gartencenter am Ortseingang zur Schule ist vielen Eltern aber offenbar zu weit - oder sie trauen es ihren Kindern nicht zu, ihn allein zu gehen . „Interessanterweise läuft es am Kindergarten besser“, merkte Moderator Theodor Brockmann an. Immerhin müssen Eltern ihre Kinder dort an der Tür abgeben. „Die parken aber alle draußen und fahren kaum noch in die Sackgasse rein.“

Zum Glück sei bisher noch nichts Schlimmes passiert, sagte die OGS-Leiterin, „obwohl es jeden Morgen zu zahlreichen Unfällen kommen könnte“.

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