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Gefräßige Raupen machen sich über Buchsbäume her

Zünsler auf dem Vormarsch

Gärtnermeister Stefan Lukassen und Andreas Breuker haben zurzeit alle Hände voll zu tun mit den Buchsbaumzünslern. Der Schädling macht den Hecken- und Pflanzenliebling auf den Friedhofs-Grabstätten und in Gärten der Region erbarmungslos nieder.

Dorsten

, 17.05.2017 / Lesedauer: 3 min

15 Raupen auf 0,2 Quadratmetern: Andreas Breuker und Stefan Lukassen hat das Sammelfieber gepackt, seitdem der Buchsbaumzünsler sich bei uns immer weiter ausbreitet und sich über Buchsbäume oder Buchsbaumhecken hermacht. 

Aussichtsloser Kampf

Die beiden Gärtnermeister fechten im Kundenauftrag einen eher aussichtslosen Kampf gegen den überhandnehmenden Raupennachwuchs des ostasiatischen Kleinfalters aus: „In absehbarer Zeit wird der Buchsbaum aussterben.“ Schlechte Nachrichten für Liebhaber des immergrünen Busch- und Baumwerks, das in Dorsten auf Friedhöfen und in Gärten weit verbreitet ist, seitdem die Römer von Buchsbäumen umsäumte Bauerngärten kultiviert und den Trend für gepflegte Gartenkunst nach Mittel- und Nordeuropa importiert haben.

Massiver Befall

Botanikerin Annette Schulte Bochold von der Biologischen Station in Lembeck erzählt vom Vormarsch und der Erfolgsgeschichte des Buchsbaums. Der massive Raupenbefall durch den eifrig Nachwuchs produzierenden Buchsbaumzünsler erfüllt sie mit Mitgefühl für das Gewächs, das Liebhaber gerne in Form schneiden: etwa zu Kugeln oder Pyramiden oder zu Hecken, die den gepflegten Garten oder Parkanlagen umsäumen oder Rasenflächen in ausgefallener geometrischer Form schmücken.

„Der Buchsbaum wird bei aller Pflege geringe Chancen haben. Seit Jahren stirbt der Buchsbaum wegen des Befalls zunächst durch einen Pilz und jetzt durch Buchsbaumzünsler ab.“ Raten kann die Biologin nur dazu, aufmerksam den Buchsbaum zu beobachten. „Sobald die Zünsler ihre Verpuppung ablegen, müssen die Raupen von Hand eingesammelt werden.“ Den Einsatz chemischer Gifte könne sie aus Sicht einer Biologischen Station nicht gutheißen, sagt Schulte Bochold.

Bis zu 1000 Eier pro Falter

„Ein Falter legt bis zu 1000 Eier ab“, macht Stefan Lukassen die Vermehrungsfreude des kurzlebigen Gärtnerschrecks deutlich. Neun Tage weilt der Falter unter den Blättern des Buchsbaums auf Erden. Die kurze Lebenszeitspanne nutzt das Insekt, um seine gefräßige Brut der Nachwelt zu hinterlassen. Stefan Lukassen und Andreas Breuker arbeiten häufig auf einem Gelände, auf dem der Buchsbaumzünsler sein Naschwerk verrichtet hat. Auf dem Friedhof St. Agatha an der Gladbecker Straße hätten sich die Zünslerraupen als Totengräber der Buchsbäume erwiesen: „Sie haben an einem Ende des Friedhofs begonnen und sind jetzt schon am anderen Ende angekommen“ – Stefan Lukassen und Andreas Breuker deuten auf einst gepflegte Grabeinfassungen aus Buchsbaum. Sie sind nicht mehr grün, sondern grau.

Eigentlich giftig

„Eigentlich ist der Buchsbaum ja giftig. Aber den Raupen kann er wohl nichts anhaben“, so die Gärtnermeister. Ein natürlicher Fressfeind, der Spatz, sei nicht mehr in dem Ausmaß vertreten wie noch vor etlichen Jahren. Die Übriggebliebenen schafften es nicht mehr, die Raupenheerscharen niederzumachen. Breuker und Lukassen sehen deshalb schwarz für den Fortbestand des Buchsbaums: „Selbst wenn man punktuell Raupen einsammelt und den Befall bekämpft, reicht ein Falter in der Nachbarschaft, um die Arbeit zunichtezumachen.“ Doch so schnell geben die beiden Gärtnermeister den Kampf gegen die Plage nicht auf: „Wenn man einen 30-jährigen Buchsbaum im Garten hat, sollte man ihn nicht einfach fällen, sondern die Herausforderung annehmen.“ 

Buchsbaumzünsler sitzen vornehmlich an der Unterseite der Blätter eines Buchsbaums. Bei sieben Grad wird der Schädling aktiv. In diesem Jahr zeigte er sich früh, weil der Winter mild war. Bei Temperaturen über 20 Grad beschleunigt sich die Entwicklung der Raupen, sodass sie ihre Stadien als Larven in drei Wochen absolvieren. Die letzte Raupengeneration eines Jahres überwintert in ihrem Kokon, der aus verklebten und verformten Blättern besteht. Als Mittel gegen die Raupen werden empfohlen: Pheromonfallen zur Früherkennung, um den besten Zeitpunkt der Bekämpfung mit Insektiziden zu finden. Ein rechtzeitiger Rückschnitt des Buchsbaums trägt zur Rettung bei. Zerstörte Buchsbäume gehören in luftdichte Verpackung und dann in den Restmüll.

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