Geisterrad in Dorsten erinnert an verstorbene Radfahrerin – und gibt Rätsel auf

rnGhost Bike in Dorsten

An der Clemens-August-Straße steht seit der vergangenen Woche Dorstens erstes „Ghost Bike“. Es erinnert an einen tödlichen Unfall vor fünf Jahren. Offen ist jedoch, ob es bleiben darf.

Dorsten

, 22.08.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Jahre ist es nun her, dass eine 65-jährige Radfahrerin auf der Clemens-August-Straße ihr Leben verlor. Ein Lkw-Fahrer hatte sie beim Abbiegen übersehen und mehrere Meter mitgeschleift. Die Radfahrerin verstarb noch an der Unfallstelle.

Der Fahrer des Sattelschleppers hatte den Unfall nicht bemerkt und war weitergefahren. Vor dem Schöffengericht Dorsten wurde er vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Die Frau sei im toten Winkel aufgetaucht und der Dorstener Fuhrunternehmer hätte den Unfall nicht verhindern können, stellte ein Gutachter fest.

Nun erinnert am Unfallort ein Mahnrad an das Unglück. Das weiß gestrichene Damenrad wurde in der vergangenen Woche an einen Baum am Straßenrand gekettet – zum fünften Todestag. Ein Kreuz und das Todesdatum erinnern an die verstorbene Frau.

Gedenkstätte und Warnung

„Ghost Bike“ heißt die aus den USA stammende Idee, solche Fahrräder als Mahnmal am Unglücksort aufzustellen. Neben der Funktion als Gedenkstätte soll damit auch vor Gefahrenpunkten für Radfahrer gewarnt werden.

Auch in Deutschland stehen schon einige dieser Geisterräder, unter anderem in Dorstens Nachbarstadt Bottrop. In Dorsten ist es das erste Radfahrer-Mahnmal dieser Art.

Meist werden diese von Fahrrad-Aktivisten des ADFC oder VelocityRuhr aufgestellt. Aber beim ADFC-Kreisverband in Marl weiß man nichts von der Aktion. Auch der Dorstener Verkehrsverein und VelocityRuhr haben nichts mit der Aufstellung zu tun.

Stadt will sich beraten

Auch die Stadt tappt in Sachen Geisterrad im Dunkeln. „Wir wissen nicht, wer es aufgestellt hat“, teilt Karsten Hartmann, Referent des Bürgermeisters, auf Nachfrage mit. „Wir kannten das Thema noch nicht.“ Nun will der Verwaltungsvorstand sich des Themas annehmen.

Die offenen Fragen: Ist die Aufstellung genehmigungspflichtig? Handelt es sich um eine Verkehrsbehinderung? Wird die Stadt das Geisterrad dulden? Ausgang offen. „Da sind 1000 Fragen zu klären“, so Hartmann.

In mehreren deutschen Städten wurden Geisterräder bereits entfernt, weil sie keine Genehmigung hatten. Und in Kaufbeuren verfügte der Oberbürgermeister die Entfernung eines Ghost Bikes, weil der Unfallfahrer unter der täglichen Erinnerung an die Todesfahrt litt.

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