Gesundheitsamt verschlampt Corona-Fall an Gesamtschule

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Ein Oberstufenschüler schrieb an die Dorstener Zeitung: Bei einem Corona-Fall habe das Gesundheitsamt keine Kontaktnachverfolgung an der Gesamtschule gestartet. Was ist da schiefgelaufen?

Wulfen

, 13.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation an den Schulen ist angespannt. Luka Sowa (17), Schüler der Wulfener Gesamtschule, fühlt sich vom Gesundheitsamt im Stich gelassen. Auf Nachfrage der Dorstener Zeitung räumt der Kreis Recklinghausen ein, dass in einem konkreten Infektionsfall vieles falsch gelaufen ist.

Keine Quarantäne, keine Kontaktnachverfolgung

Am 30.10. (Freitag) ließ sich eine Mitschülerin von Luka Sowa umgehend auf SARS-CoV2 testen, nachdem sie von ihrem Freund erfuhr, dass er an Covid-19 erkrankt sei. Vorsorglich sei sie in der darauffolgenden Woche nicht in die Schule gegangen. Erst am 5.11. (Donnerstag) habe die Schülerin das Ergebnis erhalten. Das Gesundheitsamt tat nichts - so der Vorwurf des 17-Jährigen. „Es gab keine Quarantäne-Anordnungen und keine Kontaktnachverfolgung“, schreibt er an die Redaktion.

Wenngleich sich Schulleiter Herrmann Twittenhoff „aus dem Kopf“ nicht an die Situation erinnern könne, erklärt er auf Nachfrage, dass er und sein Team im Wissen um die hohe Auslastung des Gesundheitsamtes immer umgehend reagieren, sobald ein neuer Infektionsfall bekannt werde. „Wir eruieren ruhig und nüchtern, wer zur Kategorie 1 gehört und geben die Infos ans Gesundheitsamt weiter.“

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Verkettung unglücklicher Umstände

Laut Luka Sowa sollten Mitschüler, die mit der nun infizierten Schülerin noch engen Kontakt hatten, vorsorglich am 9. und 10.11. (Montag und Dienstag) nicht in die Schule kommen. Dass die Schulleitung, noch bevor das Gesundheitsamt mit im Boot war, reagierte, und die Schülerin seit dem Test zuhause blieb, kann man als Glück im Unglück bezeichnen.

Denn im Falle der Q1 nahm das Gesundheitsamt keinen Kontakt zur Schule auf. Kreissprecherin Lena Heimers erklärt: „In dem Fall kam es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände. Die Kontaktnachverfolgung ist nicht so gelaufen, wie sie hätte laufen sollen. Es tut uns sehr leid.“

Das passierte beim Gesundheitsamt

Am 7.11. (Samstag) informierte das Gesundheitsamt die Schülerin – acht Tage nach dem Abstrich. Der Wochenend-Dienst des Gesundheitsamtes versäumte dann, den Fall an das Dorsten-Team weiterzugeben. „Wir haben Städte-Teams im Gesundheitsamt, die sich mit den Wochenend-Diensten abwechseln“, erläutert Heimers. Bei der Übergabe sei dann der Fall verloren gegangen.

Noch ein zweiter Knackpunkt habe dazu geführt, dass das Gesundheitsamt den Fall erst am 11.11. (Mittwoch) wieder aufgenommen hat: Heimers räumt ein, dass die Schulleitung versucht habe, das Gesundheitsamt wegen des Falls per E-Mail zu kontaktieren. „Bei uns ist so eine E-Mail aber nie angekommen.“ So verging weitere wertvolle Zeit, die das Virus hätte nutzen können, um sich zu verbreiten.

Hermann Twittenhoff leitet die Gesamtschule Wulfen. Er ist überzeugt von der Wirksamkeit der Alltagsmasken im Unterricht.

Hermann Twittenhoff leitet die Gesamtschule Wulfen. Er ist überzeugt von der Wirksamkeit der Alltagsmasken im Unterricht. © Foto: Claudia Engel

Da Schulleiter Twittenhoff und seine Kollegen aber nach der Devise „lieber einmal mehr vorsichtig als einmal zu wenig“ handeln, ist offenbar nichts dergleichen geschehen. Zwar gebe es laut Kreissprecherin einen erneuten Fall an der Gesamtschule, aber: „Der steht nicht im Zusammenhang mit der Infektion der genannten Schülerin.“

Quarantäne-Zeit ist abgelaufen

In Quarantäne müsse nun niemand mehr, der im Zusammenhang mit dem Fall stehe. Die üblichen 14 Tage sind abgelaufen und auch für Tests sei es nun zu spät. „Die veranlassen wir immer zeitnah. Wenn die Masken immer getragen wurden, werden nur die Personen der Kategorie 1 getestet“, erläutert Heimers das gängige Vorgehen; an weiterführenden Schulen sei das so.

Ausnahmen würden gemacht, wenn es mehr als einen Fall in einer Klasse gebe. Bei Grundschulen werde hingegen die komplette Klasse getestet, da hier keine Maskenpflicht herrsche. Hermann Twittenhoff ist von der Masken-Lösung und dem Lüften überzeugt: „Da, wo sie getragen wird, haben wir noch keinen Fall gehabt, dass ein Sitznachbar sich bei einer infizierten Person angesteckt hat.“

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