Gift steckte im Kuchen: Hohe Haftstrafen für Trio aus Dorsten

rnUrteile in Münster

Mit Methadon in einem Kuchen und großen Mengen Insulin sollen zwei Männer und eine Frau einen Bekannten vergiftet haben. Das Gericht verhängt hohe Haftstrafen - aber nicht wegen Mordes.

Dorsten

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die 48-jährige Freundin des Opfers wurde wegen Raubes mit Todesfolge zu elf Jahren Haft verurteilt. Ein vielfach vorbestrafter Komplize, mit dem sie die Tat gemeinsam ausgeheckt haben soll, sogar zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft. Der dritte Angeklagte erhielt lediglich wegen schweren Raubes siebeneinhalb Jahre Haft. Er hatte den Tatort schon lange vor den beiden Mitangeklagten verlassen.

Angebliches Motiv: Geldnot

Die Richter gehen davon aus, dass die Angeklagten bei dem Opfer Geld vermuteten und den Mann deshalb ausrauben wollten. Alle drei steckten zur Tatzeit im Mai 2018 selbst in finanziellen Problemen. Dazu brauchten sie regalmäßig Geld für Drogen. Um ihren Bekannten ruhig zu stellen, soll die Frau einen Kuchen gebacken haben, in den sie große Mengen des Drogen-Ersatzstoffs Methadon gespritzt haben soll. Doch zunächst funktionierte der Plan offenbar nicht so wie vorgesehen.

Opfer starb an Herzversagen

Der 58-Jährige ließ sich zwar dazu überreden, von dem Kuchen zu essen. Schläfrig oder gar bewusstlos wurde er jedoch nicht. Aus diesem Grund sollen die Dorstener später beschlossen haben, dem Mann auch noch Alkohol und größere Mengen Insulin zu verabreichen. Der 58-Jährige verstarb schließlich an Herzversagen.

In dem 22 Verhandlungstage dauernden Prozess hatten alle Angeklagten ihre Beteiligung an dem Überfall eingeräumt. Dabei hatten sie sich jedoch immer wieder gegenseitig die Hauptschuld zugeschoben und vor allem alle behauptet, niemals mit dem Tod des Opfers gerechnet zu haben. Noch am Montag, kurz vor der Urteilsverkündung, hatte der vielfach vorbestrafte Hauptangeklagte noch einmal das Wort ergriffen und behauptet: „Ich bin der, der am wenigsten mit der ganzen Sache zu tun hatte.“

Neue Aussage kurz vor Urteil

Urplötzlich gab der 53-Jährige an, sein Komplize habe das Opfer mit einem Messer bedroht und einem Totschläger übel zugerichtet. Dennoch habe sich für ihn die Situation am Ende so dargestellt: „Als wir das Haus verlassen haben, lebte der Mann noch.“ Der 53-Jährige war Wochen nach dem Überfall zusammen mit der Dorstenerin auf Gran Canaria festgenommen worden.

Frau kann Therapie machen

Wegen der zahlreichen und gravierenden Vorstrafen des Mannes ordneten die Richter seine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung an. Die 48-jährige Frau kann dagegen schon nach knapp drei Jahren in eine Drogen-Entziehungstherapie wechseln und nach deren erfolgreichen Abschluss auf eine vorzeitige Entlassung hoffen. „Wir sind deshalb sehr zufrieden“, sagte Verteidiger Christian Simonis. Die Anklage hatte immerhin auf Mord gelautet. das urteil auf Raub mit Todesfolge.

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