Heftiger Brüderstreit mit Baseballschläger - so urteilte das Gericht in Dorsten

rnGerichtsprozess

Zwei Brüder attackierten einen dritten Bruder Im Harsewinkel in Hervest. Der handfeste Streit hatte gerichtliche Folgen.

Dorsten

, 20.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Auseinandersetzungen und Streitereien unter Brüdern sind nichts Ungewöhnliches. Dass bei solchen Fehden ein Baseballschläger zum Einsatz kommt, ist eher selten. Und so landete dieser Zwist, der im Mai letzten Jahres öffentlich in der Straße „Im Harsewinkel“ in Hervest ausgetragen wurde, am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht.

Angeklagt waren die beiden jüngeren der insgesamt drei Geschwister aus Dorsten, 23 und 25 Jahre alt. Sie sollen den 29-jährigen Bruder auf offener Straße vermöbelt haben. Der Erstgeborene, so hieß es in der Anklage der Staatsanwaltschaft, habe sich nicht anders zu helfen gewusst, als den Baseballschläger zu zücken, den er bei sich trug. Doch was geschah wirklich?

Bruder aus dem Augenwinkel erblickt

Die beiden Angeklagten erzählten eine andere Geschichte. Sie hätten nämlich Smartphones in einem Schaufenster bewundert, als sie „im Augenwinkel“ ihren älteren Bruder erblickten, zu dem sie schon längere Zeit keinen Kontakt mehr hatten. „Er holte mit der Waffe aus“, sagte der 25-Jährige aus, der Junior habe ihm helfen wollen und sei dazwischen gegangen.

Genützt hat es nicht viel: Der 29-Jährige traf den 25-Jährigen mit dem Schläger, der dabei zerbrach, auf den Rücken. „Deswegen habe ich aus Notwehr zurückgeschlagen.“

Bis zum Gerichtstermin herrschte Funkstille zwischen den Kontrahenten. Und im Gerichtssaal gab es die ersten Wiederannäherungen: Denn sowohl der 29-Jährige als auch der Vater, der bei der Polizei die Anzeige gegen seine jüngeren Söhne erstattete hatte, machten von ihrem familiär bedingten Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Freisprüche waren die Folge

Dass der 23-Jährige dennoch zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde, hat damit zu tun, dass er mehrfach im Straßenverkehr auffällig geworden ist. Er wurde von der Polizei mit falschen Kennzeichen an seinem BMW und ohne Versicherung sowie Führerschein erwischt, außerdem verursachte er auf der Borkener Straße einen Unfall, fuhr auf seinen Vordermann auf, machte sich anschließend reifenquietschend aus dem Staub. Wenig später konnte er gestellt werden.

Ein kürzlich gefälltes Urteil vom Amtsgericht Gladbeck floss dabei in das Dorstener Strafmaß ein.

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