Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde an der Villa Müller. Sie wird bis Ende 2022 nach Abstimmung mit dem Denkmalschutz außenherum saniert. Nötig sei es allemal, sagt er. © Claudia Engel
Ölmühlengelände

Herrschaftliche Villa Müller am Kanal – innen hui, außen noch pfui

Dorsten hat einige herrschaftliche Villen zu bieten. Eine hat eine besonders spektakuläre Lage am Wesel-Datteln-Kanal. Der Wohnsitz aus der Jugendstil-Zeit sieht mitgenommen aus.

Rings um die Villa Müller auf dem ehemaligen Ölmühlengelände auf der Hardt in Dorsten sprießen elegante Wohnhäuser aus dem Boden – doch das ehemals herrschaftliche Gebäude mittendrin sieht heruntergekommen aus. Radfahrer und Spaziergänger kommen unmittelbar daran vorbei. Viele fragen sich, ob sich jemand um den verblichenen Zustand des alten Hauses kümmert.

Zwischen zwei Neubauten versteckt liegt die alte Villa Müller am Kanal. Von der anderen Seite können Radfahrer und Fußgänger das Haus bewundern, vor allem dann, wenn neuer Putz die Außenwände schmückt. © Claudia Engel © Claudia Engel

Um den alten Charme wieder hervorzuholen, verhandelt die Caritas gerade mit dem Denkmalschutz, führt Gespräche mit Architekten und Baufirmen. „Bis 2022 soll die Villa Müller saniert sein“, verspricht Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde. Die Caritas ist Eigentümerin des Anwesens. Sie nutzt die ehemalige Industriellen-Villa als Verwaltungsgebäude, aber auch als Stützpunkt für ihren ambulanten Pflegedienst.

Architekt Werner Kaplan hat der denkmalgeschützten Villa Müller seinen Stempel aufgedrückt: Der gläserne Übergang zwischen Jugendstil und Moderne sowie das freischwebende Treppenhaus ins Dachgeschoss werden in der Fachwelt erwähnt. © Claudia Engel © Claudia Engel

Das bietet sich an: Denn in direkter Nachbarschaft sind die Wohnhäuser mit zum Teil barrierefreien Wohnungen der Caritas gebaut worden. Wegen der Altersstruktur der Mieter deutet sich an, dass der Pflegedienst in unmittelbarer Nachbarschaft in Anspruch genommen wird: „90 Prozent unserer Mieter haben Mobilitätseinschränkungen“, so Klaus Schrudde. Kontrastprogramm dagegen im modernen Anbau der Villa Müller: Er beherbergt die Mutter-Kind-Einrichtung der Caritas. 24 Frauen und ihre Kinder leben dort vorübergehend.

Das herrschaftliche Anwesen kennt gute und schlechte Zeiten

Dass die Caritas das denkmalgeschützte Gebäude erhalten und instand setzen will, wird viele Dorstener Bürger freuen. Denn jahrelang stand es schlecht um das herrschaftliche Anwesen, das einst von den Brüdern Hermann und Adolf Müller um 1900 nach dem Erwerb des ehemaligen Ölmühlengeländes errichtet worden ist. Als die Produktion der Fabrik 1960 eingestellt wurde, verließ die Familie die Villa.

Im Altbau der Villa Müller schraubt sich eine Wendeltreppe bis ins Dachgeschoss. © Claudia Engel © Claudia Engel

Das bekam ihr nicht gut, wie aus Zeitungsberichten im Stadtarchiv Dorsten zu erfahren ist. 1985 etwa beklagte die Dorstener Volkszeitung den Verfall der Villa Müller. Um Grundstücke und Immobilie tobte ein langanhaltender Erbenstreit; 1990 bewahrte Architekt Walter Kaplan das Haus vor dem Abriss und fügte dem Gebäude einige architektonisch bedeutsame Elemente zu.

Architektonisch bedeutsame Merkmale

So schraubt sich eine Wendeltreppe im Altbau ins Dachgeschoss, ein gläserner Verbindungsweg als weithin sichtbarer Hingucker verknüpft Alt- und Anbau der Villa Müller. Leider hielt die Blütezeit des schönen Gebäudes nicht lange an; das Architekturbüro von Werner Kaplan meldete Konkurs an und die Villa Müller kam unter den Hammer.

„Die Caritas hat 2002 den Zuschlag für das Gebäude bekommen“, so Klaus Schrudde. Seitdem wurde das Haus unterschiedlich genutzt. Mal als Bürogebäude, dann wieder als Ausweichquartier für einige Bewohner des Seniorenheims St. Anna an der Kirchhellener Allee, als das Altenheim aufwändig umgebaut wurde.

Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde an der Fassade der Villa Müller. Hier macht sich die Wärmedämmung unterm Putz unschön bemerkbar. © Claudia Engel © Claudia Engel

Die Villa Müller wird neuen Putz bekommen, außerdem wird der Eingangsbereich aufgehübscht. Und damit erstrahlt sie dann wieder im Glanz der Jugendstilzeit. Die kannte noch keine Wärmedämmung aus der Neuzeit. Deutlich sichtbar und optisch unschön zeichnen sich die Druckpunkte unter dem gräulichen Anstrich ab. „Das sieht nicht schön aus und wird entfernt“, kündigt Klaus Schrudde an.

Die Kosten für die Außensanierung werden einen sechsstelligen Betrag erreichen. Auf eine genaue Summe wollte sich der Caritas-Geschäftsführer nicht festlegen: „Die Kosten für Baumaterial sind zurzeit extrem hoch.“ Glücklicherweise sind in der Villa keine aufwändigen Innenarbeiten nötig. An der Gebäudesubstanz aus der Jugendstilzeit muss man nicht rütteln.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel