Hoffnung für zwei wichtige Buslinien durch Dorsten - es hängt aber am Geld

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Nach dem Fahrplanwechsel im Dezember gab es zwei wichtige Buslinien in Dorsten, die Sorgenkinder wurden. Fahrgäste können aber auch hier auf bessere Anschlüsse und neue Fahrtziele hoffen.

Dorsten

, 01.02.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Dezember 2019 wurden fast alle Bus-Fahrpläne in Dorsten umgestellt, damit die Fahrgäste an ZOB und Bahnhof beim Umstieg in die seitdem halbstündlich fahrenden Züge des RE 14 (Borken-Essen) vernünftige Anschlusszeiten bekommen. Doch zwei „Sorgenkinder“ gab es, sie gerieten aus dem Takt: die regionale Schnellbuslinie SB 25, die zwischen Dorsten und Recklinghausen verkehrt, sowie die innerstädtische Buslinie 278 (Wennemarstraße Holsterhausen - ZOB - Baumbachstraße Östrich).

Nach den Sommerferien möglich

Jetzt gibt es aber Hoffnung, dass sich die Situation nach den kommenden Sommerferien für die Fahrgäste auf beiden wichtigen Strecken deutlich verbessert - vorausgesetzt, dass die neuen Planungen nicht zu teuer für die Stadt werden.

Um die Verbesserungsmöglichkeiten für die genannten Linien zu erarbeiten, hatte das für Dorsten zuständige Verkehrsunternehmen „Vestische“ ein Fachbüro beauftragt. Gutachterin Kirsten Krasel stellte die Vorschläge am Donnerstag in der Sitzung der ÖPNV-Ratskommission vor.

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Die Linie 278 hat seit Jahren auf ihrem Weg quer durch das halbe Stadtgebiet immer wieder mit Verspätungen zu kämpfen. So wie die Linienführung jetzt besteht, seien alle Optionen für die Linie 278 „ausgereizt“, erklärte die Gutachterin. „Deshalb bräuchten wir ein zusätzliches Fahrzeug und mehr Fahrzeiten.“

Hoffnung für zwei wichtige Buslinien durch Dorsten - es hängt aber am Geld

Der Übergang von der Buslinie SB 25 am ZOB zur Zuglinie RE 14 am Bahnhof soll besser werden. © Michael Klein

Daduch würde die Strecke künftig deutlich attraktiver. Die Linie 278 könnte dann nämlich auf ihrem Nordstrang über die Wennemarstraße hinaus im Halbstundentakt sogar bis zum großen Neubaugebiet Kreskenhof verlängert werden - das damit erstmalig an das reguläre ÖPNV-Netz angeschlossen würde. Der dortige TaxiBus 216 könnte im Gegenzug entfallen.

Neue Schleife auf der Hardt

Auch für den „Südast“ der 278 brächte der Gutachter-Vorschlag viele Vorteile. Richtung Hardt soll es nämlich eine ganz neue Schleife geben, bei der die Linie 278 mit der Linie 276 vereint wird. Auf dem Weg würde sie künftig ab ZOB die Altstadt mit der St.-Ursula-Realschule, der Agathaschule und der Pestalozzischule verbinden, aber auch Aldi und Edeka auf der Hardt sowie das Krankenhaus ansteuern. Nach Östrich würde dann künftig die Linie 296 fahren.

Weiterer Vorteil: Die Bahntochter BVR, die die Linie 188 betreibt, könnte dann auf den Schlenker über das Krankenhaus verzichten und über die Kirchhellener Allee statt über die Clemens-August-Straße fahren. „Könnten wir uns gut vorstellen“, erklärte ein BVR-Vertreter in der Sitzung.

Die Gutachterin erklärte, dass sich die Zahl der Fahrgäste auf der Linie 278 dadurch um fast 30.000 pro Jahr steigern ließen. Allerdings kämen auf die Stadt 62.000 Euro an Mehrkosten zu. Aber: Diese Summe ließe sich mindestens zur Hälfte kompensieren, wie Christina Gehrke von der Verkehrsplanung der Stadt und Christoph Jünemann von der Kreisverwaltung Recklinghausen vorrechneten. Denn die Stadt muss ab diesem Jahr deutlich weniger für die ÖPNV-Umlage an den VRR zahlen. „Das ist eine Chance, die wir ergreifen sollten“, so Gehrke.

Schnellbuslinie SB 25

Die Schnellbuslinie SB 25 ist noch gar nicht in die neue Taktung am ZOB Dorsten eingebunden worden - weil der Vestischen die Anschlüsse dieser Linie in den Städten Marl und Recklinghausen wichtiger sind, weil dort mehr Fahrgäste als in Dorsten umsteigen.

Um die Situation auch in Dorsten zu verbessern, stellte das Gutachterbüro zwei mögliche Varianten vor: Beim ersten Vorschlag würde die gesamte Strecke zwischen Dorsten und Recklinghausen auf einen 15-Minuten-Takt verdichtet (bislang 30 Minuten).

Die zweite Variante sieht den 15-Minuten-Takt nur zwischen Marl und Recklinghausen vor, Dorsten würde aber zusätzlich stündlich durch die Linie 223 angefahren, die von Marl bis in die Lippestadt verlängert wird und den Chemiepark anbindet.

Hoffnung für zwei wichtige Buslinien durch Dorsten - es hängt aber am Geld

Der SB 25 wird künftig die Haltestelle am Recklinghäuser Tor ansteuern, damit die Fahrgäste besser in den SB 26 umsteigen können. © Michael Klein

In beiden Fällen würde der SB 25 künftig neu die Haltestellen am Recklinghäuser Tor anfahren, damit Fahrgäste dort in den SB 26 umsteigen können - das ist am ZOB aus Zeitgründen nicht mehr möglich.

Variante 1 würde mit 120.000 Euro an Mehrkosten für die Stadt zu Buche schlagen, allerdings womöglich 64.000 Fahrgäste mehr pro Jahr bringen. Variante 2 hingegen bringe nur 10.000 Fahrgäste mehr, koste aber 61.000 Euro jährlich.

Mehr Geld vom Kreis

Dass der ÖPNV-Ausschuss schließlich die Empfehlung gab, für zwei Jahre die Variante 1 zu testen, hing mit der Ankündigung von Christoph Jünemann vom Kreis zusammen. Da nämlich der Kreistag jährlich eine halbe Million Euro zusätzlich für die Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs bewilligt hat, könnten die Kosten der Variante 1 für Dorsten zumindest für dieses Jahr davon bestritten werden. Das Geld für den Rest der Testphase müsste sich die Linie SB 25 ab 2021 wahrscheinlich mit weiteren SB-Linien teilen.

Nun liegt es am Stadtkämmerer, der das Ganze sicherlich noch mal genau durchrechnen wird, und am Umwelt- und Planungsauschuss, der auf seiner März-Sitzung eine endgültige Entscheidung fällen wird.

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