Hunde haben ein Näschen für Trüffeln

Sabine Hörnicke bietet Schnüffel-Seminar

Dass Wildschweine ganz scharf auf Trüffeln sind, ist bekannt. Die Borstenviecher lassen sich die Edelpilze dann natürlich am liebsten selber schmecken. Da ist der Hund ein viel besserer Trüffelsucher. Und jetzt können Herrchen und Frauchen ihren Vierbeiner zu einer wahren Trüffel-Spürnase ausbilden lassen.

Dorsten

, 14.08.2015, 13:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Der Trüffel riecht so gut, weil er gefunden werden will.“ Und im Aufspüren ist Sabine Hörnicke Expertin. Die Kölnerin bildet Hunde zu Trüffelsuchern aus und tut das jetzt auch in Dorsten: Am 5. und 6. September werden Hund und Herrchen in ihrem Einführungskurs in Hervest darauf trainiert, den begehrten Edelpilz zu erschnüffeln.

Weit verbreitete Irrtümer

Vorweg räumen wir erst einmal mit weit verbreiteten Irrtümern auf: 1. der korrekte Plural von Trüffel heißt nicht Trüffel, sondern Trüffeln, und 2. ist die selbst in Gourmetkreisen kursierende Behauptung, es gebe keine Trüffeln in Deutschland, völlig falsch: „Man vermutet sogar um die 300 Trüffelarten, von denen allerdings nicht alle kulinarisch interessant sind“, berichtet die Expertin. Anders als in europäischen Nachbarländern sind bestimmte Trüffelarten in Deutschland gesetzlich geschützt. „Rund 20 stehen zurzeit auf der Roten Liste, das heißt, sie dürfen nicht gesammelt werden“, weiß die Fachfrau. Aber das Suchen ist erlaubt.

Auf der "Roten Liste"

Sabine Hörnicke ist es ein Anliegen zu zeigen, dass es Trüffeln nicht nur in Italien und Frankreich, sondern auch hierzulande gibt, damit sie von der Roten Liste verschwinden. Sie selbst hat mittlerweile mit ihrem Vierpfoter Jule schon 18 verschiedene Sorten erschnüffelt. Und damit klärt sie den dritten Irrtum auf: „Nicht nur Schweine können die edlen Pilze finden.

Im Gegenteil: Hunde sind dafür viel besser geeignet. Sie können speziell darauf abgerichtet werden, hören besser auf ihr Herrchen und geben den Fund leichter ab.“ Die Erfolgsgeschichte des trüffelsuchenden Traum-Teams nahm vor sechs Jahren ihren Anfang: Da erblickte Sabine Hörnicke in der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ die kleine, vor der Einschläferungsspritze gerettete Mischlingshündin, die Tierschützer aus Gran Canaria nach Deutschland gebracht hatten. Liebe auf den ersten Blick!

Starker Jagdtrieb

Um Jules starken Jagdtrieb zu lenken und ihr feines Näschen zu trainieren, besuchte Sabine Hörnicke bald darauf ein Trüffelsuche-Seminar mit Hund bei Dieter Honstraß in Salzgitter, der in der Szene als „Trüffelpapst“ bekannt und nun ihr Mentor ist. Seitdem hat die gebürtige Gelsenkirchenerin das Trüffelfieber derart gepackt, dass sie kürzlich ihren Job als Prozess-Managerin in einem großen Kölner Konzern an den Nagel hing, um als bekennende Trüffelbotschafterin in die wunderbare Welt des kostbaren Edelpilzes einzutauchen und ihr Wissen weiterzugeben. „Es gibt noch so viel Unerforschtes zu entdecken“, tummelt sich die 42-Jährige mittlerweile auf vielen „Trüffel-Feldern“: Auf dem kulinarischen handelt sie selbst mit importierten Trüffeln, produziert Trüffelbutter und -leberwurst, zudem tüftelt sie zurzeit auch mit einer Fleischerei an einer selbst gemachten Trüffelsalami.

Mitglied einer Forschungsgruppe

Als Mitglied der Forschungsgruppe Hypogäen (= Pilze mit knolligem Fruchtkörper) ist die Ex-Managerin zudem im In- und Ausland unterwegs, um Trüffel-Arten aufzuspüren und ihre Fundorte festzuhalten. Die Ausbildung von Suchhunden ist ein wichtiges Standbein, mit dem sich die zertifizierte Seminarleiterin als Botschafterin des Edelpilzes empfiehlt. „In den zwei Tagen des Einführungskurses wird sozusagen das kleine Einmaleins der Trüffelsuche gelegt“, fordert Sabine Hörnicke sowohl Hund wie Hundeführer mit intensiven Theorie- und Praxisblöcken.

Unter bestimmten Bäumen

Dass Trüffeln nur symbiotisch unter bestimmen Bäumen und Sträuchern wie Eiche, Buche, Hasel und Linde wachsen, dass sie einen kalkhaltigen Boden mit wenig Säure benötigen, Wärme lieben und weitere wissenswerte Infos rund um den unterirdischen Pilz erfahren die zweibeinigen Seminarteilnehmer im theoretischen Teil. Anschließend werden die Hunde auf den Geruch der Pilze konditioniert. „Dazu spicken wir Holzklötze mit Trüffelstückchen und lassen die Dummies von den Hunden suchen“, erklärt die Ausbilderin. Schließlich vergräbt sie im Wald echte Trüffeln, die mit ihren rund 400 Aromastoffen ein wahres Feuerwerk in der sensiblen Hundenase entfachen. Wenn „Waldi & Co.“ etwas finden, heißt es: Bellen und Graben – schon ist der begehrte Schatz geborgen.

„Sie glauben nicht, wie viel Spaß Mensch und Hund an dieser Schatzsuche in freier Natur haben“, berichtet Sabine Hörnicke. Und: „Mit dem Tier auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, stärkt die Bindung zwischen Mensch und Tier gewaltig.“ Und wenn nicht alle verbuddelten Trüffeln von den Hundeschülern aufgespürt wurden, kein Problem: Dann dreht Jäger-Profi Jule noch einmal eine Schnupperrunde über das Gelände und spürt die vergessenen Schätze auf.

Der zweitägige Einführungskurs „Trüffelsuche mit Hund“ findet am Samstag (5.9., 10-18) und Sonntag (6.9., 10-17 Uhr) statt – der theoretische Teil im Tagungsraum der Gaststätte Grütering, Glück-Auf-Straße 313, der praktische im Waldgelände. Ziele: Der Hundeführer wird in die Lage versetzt, mögliche Trüffelstellen in beliebiger Umgebung grob anhand ökologischer, geologischer und topografischer Parameter zu bestimmen. Der Hund soll einen bestimmten Trüffelgeruch kennenlernen, damit er im weiteren Verlauf durch praktische Übungen an potenziellen Trüffelstellen in verschiedenen Lebensräumen in der Erde verborgene (echte) Trüffel anzeigt. Maximale Teilnehmerzahl: 10 Teams. Grundsätzlich sind alle Hunde geeignet. Kosten: 175 Euro pro Mensch, 50 Euro pro Hund, inklusive Trainingsmaterial.  Anmeldung, Infos und Kontakt auf der von Sabine Hörnicke.

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