Hygiene-Alarm: Anklagestuhl mit Müllsäcken überzogen

rnLandgericht Essen

Für einen Prozess gegen einen offenbar unberechenbaren Mann aus Dorsten wurden am Essener Landgericht ungewöhnliche Maßnahmen ergriffen.

Dorsten, Essen

, 13.02.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das hat es so wohl auch noch nicht gegeben: Für den Prozess gegen einen offenbar unberechenbaren und angeblich völlig verwahrlosten Mann aus Dorsten sind am Essener Landgericht am Donnerstag ganz besondere Schutzmaßnahmen ergriffen worden.

Der Polsterstuhl, auf dem der 30-jährige Dorstener Platz nehmen sollte, war komplett mit blauen Müllsäcken überzogen worden – bis hinunter auf den Boden. Damit sie nicht abgerissen werden können, war alles dick mit Paketklebeband fixiert. Auch der Boden unterhalb des Stuhles war mit blauen Plastiksäcken abgeklebt worden.

Angeklagter angeblich völlig verwahrlost

Grund für die ungewöhnliche Maßnahme soll der angeblich katastrophale Hygienezustand des Angeklagten sein. Wie es heißt, ist der Mann trotz seines Aufenthaltes im Gefängnis völlig verwahrlost. Selbst der Verteidiger sollte aus diesem Grund nicht direkt neben dem 30-Jährigen Platz nehmen, sondern einen Stuhl weiter. Auch einer Referendarin des Gerichts wollten die Richter nicht zumuten, sich in der Nähe des Angeklagten hinzusetzen, um der Verhandlung zu folgen. Für sie wurde vor Prozessbeginn extra ein Platz auf der anderen Seite des Saales ausgesucht.

Bombenalarm im Gericht

Hineingebracht wurde der Dorstener dann allerdings nicht. Das hatte allerdings nichts mit dem Verfahren zu tun. Gegen 9.50 Uhr hatte es im Essener Landgericht einen Bombenalarm gegeben, der die sofortige Evakuierung des gesamten Justizgebäudes erforderlich machte. Der Prozess gegen den 30-Jährigen wird daher erst am nächsten Prozesstag beginnen.

Dem Dorstener wird vorgeworfen, am 24. September 2019 einen Mitarbeiter von Kaufland in den Mercaden mit einem Messer angegriffen und verletzt zu haben. Laut Anklage hatte er versucht, das Ladenlokal über einen alarmgesicherten Notausgang zu verlassen. Darauf war er angesprochen und gebeten worden, das Geschäft über den regulären Ausgang zu verlassen.

Kaufland-Mitarbeiter mit Messer attackiert

Schon dabei soll der 30-Jährige dem Mitarbeiter auf den Arm geschlagen, ihn beleidigt und provoziert haben. Auf Höhe der Getränkeabteilung nahm das Drama dann seinen Lauf. Der Angeklagte soll ein Messer gezückt und völlig unvermittelt zugestochen haben. Die Klinge drang sieben Zentimeter tief in den Unterbauch des Mitarbeiters ein. Glück im Unglück: Es soll zu keiner Zeit Lebensgefahr bestanden haben.

Außerdem geht es im Prozess um zwei Ausraster am Busbahnhof und an einer Bushaltestelle an der Borkener Straße. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf gefährliche Körperverletzung.

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