Igel in Dorsten: Nicht alle müssen gerettet werden - So helfen Sie den Tieren wirklich

rnIgelhilfe Dorsten

Sie sind stachelig und kugeln sich bei Gefahr zusammen. Doch nicht immer sind die Igel so hilfsbedürftig, wie es scheint. Die Frauen der Igelhilfe Dorsten erklären, was Sie wissen müssen.

Dorsten

, 26.10.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie oft sind Igel zu sehen? Eher selten, denn die stacheligen Tiere sind nachtaktiv. Falls doch einer tagsüber zu sehen ist, heißt das aber noch längst nicht, dass er auch hilfsbedürftig ist.

Simone Paul-Urff (45) und Karina Timmer (47) haben sich den Igeln verschrieben und gründeten 2014 die Igelhilfe Dorsten. Auf die Idee kamen sie, weil sie selbst ein Tier gefunden hatten. Damals waren die beiden Frauen auf einer Reise und wussten selbst noch nicht, wie sie mit einem Igel umgehen sollten und wer ihnen weiterhelfen könnte.„Es hat uns niemand geholfen, weder Behörden, Tierärzte noch Anwohner“, erinnert sich Simone Paul Urff.

„Igel-Tauschbörse“

Heute sind die beiden ein eingespieltes Team. Sie haben quasi eine ‚Tauschbörse‘ für schwere Fälle. „In Notfällen tauschen wir mit den Findern den schwerkranken Igel gegen einen Igel , der nur gepäppelt werden muss“, sagt Karina Timmer.

Igel in Dorsten: Nicht alle müssen gerettet werden - So helfen Sie den Tieren wirklich

Till rollt sich ein. Die Stacheln sind für Igel-Mama Simone Paul-Urff kein Problem. © Laura Schulz-Gahmen

In Deutschland ist der Braunbrustigel zuhause. Er ist nachtaktiv und bekommt zwischen Juli und Oktober seine Jungen. „Wenn ein Igel beispielsweise tagsüber im Schnee herumläuft, dann ist davon auszugehen, dass etwas nicht stimmt“, so Paul-Urff. Bei Jungtieren könne es hingegen sein, dass die bloße Neugier sie nach draußen lockt. Karina Timmer weiß aber auch: „Wer nie einen Igel in seinem Garten sieht, kann trotzdem und sogar ganz sicher einen haben.“

Anzeichen, dass etwas nicht stimmt

Wichtig sei es, immer erst abzuwarten und zu beobachten, ob dem Tier etwas fehlt. Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, können sein:

  • der Igel läuft im Kreis
  • das Tier wackelt stark
  • der Igel hat offensichtliche Verletzungen
  • das Tier hat eine Hungerfalte. Dabei handelt es sich um eine Kuhle im Nacken. „Wenn man von oben auf einen Igel schaut, dann ist er birnenförmig. Ist er krank, dann nimmt er auch nach hinten, wo er rundlich sein sollte, ab“, erklären die beiden Dorstenerinnen.

Nicht alle Igel sind hilfsbedürftig

Oft komme es vor, dass Igel, denen rein gar nichts fehlt, zur Igelhilfe Dorsten gebracht werden. Das sei natürlich nicht richtig. Igel haben ein Revier von zwei bis drei Kilometern und gehen auch auf Futtersuche. „Viele Spaziergänger, die mit Hunden unterwegs sind, finden ein Tier und bringen es her, dabei fehlt ihm nichts“, klärt Simone Paul-Urff auf. Weiter sagt sie: „Nicht alle Igel sind hilfsbedürftig, man muss immer genau die Situation betrachten.“

Besser sei es, immer erst zu beobachten und die Tiere in Ruhe zu lassen. Auch Igel in andere Gebiete umzusetzen, sei per Gesetz nicht zulässig. Es handelt sich bei Igeln um Niederwild, dieses darf nur aus seinem Umfeld gerissen werden, wenn es krank, verletzt oder anderweitig hilfsbedürftig ist. Eine tropfende Nase sei kein Anzeichen einer Erkrankung. Im Gegenteil: „Das ist ein Merkmal dafür, dass der Igel gesund ist“, erklärt Karina Timmer.

Igel braucht Hilfe

  • Im Zweifel immer erst zum Tierarzt fahren statt zur Igelhilfe.
  • Wenn ein Igel kalt ist, braucht er Wärme, dafür eignet sich eine lauwarme Wärmflasche oder eine PET-Flasche, die mit lauwarmem Wasser gefüllt ist.
  • Igel nicht draußen lassen, er benötigt Raumtemperatur.
  • Das Tier braucht ein Schlafhäuschen als Rückzugsort. Dazu eignet sich auch ein Schuhkarton.
  • Als Untergrund nie Heu oder Einstreu benutzen. Dieses verfängt sich im Stachelkleid. Besser: Zeitungspapier.
  • Regelmäßig das Gewicht des Tieres kontrollieren.
  • Füttern: nie mit Äpfeln, Getreide oder Milch! Stattdessen: „Igel sind reine Fleischfresser, das heißt sie sollten auch nichts anderes bekommen“, so Simone Paul-Urff. Katzen- oder Hundenassfutter eigne sich am besten als Nahrung für Igel. „Sogar besser als Igelfutter, das man kaufen kann“, so Timmer. Wichtig dabei sei ein hoher Fleischanteil im Futter und möglichst keine Sauce.

Igelfreundlicher Garten

Wer Igeln etwas Gutes tun möchte, der sollte seinen Garten nicht überpflegen. „Igel lieben Laubhaufen, hohes Gras und Komposthaufen“, sagt Simone Paul-Urff.

Igel in Dorsten: Nicht alle müssen gerettet werden - So helfen Sie den Tieren wirklich

Die Igelhilfe Dorsten wird auch am 10. November 2019 wieder mit ihrem Stand auf dem Lichterfest sein.

Nutzpflanzen wie Lavendel sind für die Tiere besonders angenehm, denn zum einen locken sie Insekten an, die die Tiere fressen und zum anderen enthält Lavendel ein Öl, das Flöhe fernhält. Beim Stichwort Gartenarbeit muss aufgepasst werden:

  • keine Chemie einsetzen, wie Schneckenkorn. Die Igel fressen entweder das Korn oder die Schnecken, die es aufgenommen haben, und dann verenden die kleinen Säuger.
  • elektronische Geräte stellen für Igel eine erhebliche Gefahr dar. Vor allem Mäh-Roboter sind gefährlich.
  • wer Probleme mit Ratten oder Mäusen hat, der sollte Lebendfallen nutzen oder die Fallen mit giftigem Inhalt hochstellen. So werden Igel verschont.
  • aus ungeschützten Kellerfenstern und Treppenabgängen kommen die kleinen Tiere nicht mehr heraus und verhungern, wenn sie unbemerkt bleiben.
  • das gilt auch für Gartenteiche. Dort sei es sinnvoll, ein Brett als „Kletterhilfe“ anzubringen.
  • Futterstellen errichten. Gut geeignet sind „Katzenbrekkies“ und Insekten. Nassfutter muss regelmäßig erneuert werden. Wer den Tieren eine besondere Freude machen möchte, der kann ungewürztes Hackfleisch braten und den Igeln geben. Auch ungewürzte „schlabberige“ Rühreier sind bei den Fleischfressern beliebt.

Weitere Informationen und Checklisten über Igel finden Sie auf der Homepage proigel.de.

Igelhilfe Dorsten

Adresse und Kontakt

Igelhilfe Dorsten Marler Straße 70 46282 Dorsten Handy: 0157 37799264 Homepage: igelhilfe-dorsten.de E-Mail: igelhilfe.dorsten@gmx.de Facebook: facebook.com/IgelhilfeDorsten Für den Service rund um die Igel, ist jede Art von Geldspende willkommen. Spendenkonto: Empfänger: Igelhilfe Dorsten e.V. Sparkasse Vest Recklinghausen IBAN: DE72 4265 0150 0011 1094 28 BIC: WELADED1REK Die Igelhilfe Dorsten wird auch mit einem Stand auf dem Lichterfest am 10. November in der Dorstener Innenstadt sein. Dort können Igel-Kalender erworben werden.
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