Im „Durchfahrtzentrum“ kommt das Corona-Teststäbchen durchs Autofenster zum Patienten

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Die Krankenhäuser im Kreis rüsten sich für den erwarteten Höhepunkt der Corona-Welle. Und der Kreis richtet befahrbare Zentren für Rachenabstriche ein.

Kreis Recklinghausen

, 18.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir brauchen keine selbsterklärten Kranken an unseren Kliniken.“ Prof. Dr. Wolfgang Raab vom Prosper-Hospital in Recklinghausen und Prof. Dr. Hans-Georg Bone vom Klinikum Vest appellieren an alle Bürger, nicht auf eigene Faust und ohne Terminvereinbarung zum Corona-Abstrich an der Klinik zu erscheinen. Am Prosper-Hospital spielen sich offensichtlich täglich ähnliche Szenen ab wie vor Apple-Stores an Erstverkaufstagen neuer iPhones.

In einer Pressekonferenz bei Landrat Cay Süberkrüb machten gleich vier Mediziner noch einmal deutlich, dass es keine Corona-Testung ohne ärztliche Verordnung gebe. Um alle Verordnungen abarbeiten zu können, nimmt der Kreis jetzt die Hilfsorganisationen DRK, Malteser Hilfsdienst und ASB mit ins Boot.

Zentrale Anlaufstelle koordiniert die Termine für die Abstriche

Sie richten spätestens am Freitag eine zentrale Anlaufstelle ein, die sich mit all jenen Patienten in Verbindung setzt, deren Hausarzt einen Abstrich verordnet hat.

Christoph Behrenspöhler, Sprecher der Hilfsorganisationen: „Wir machen dann von uns aus Termine mit den Patienten und verteilen sie sinnvoll auf die Abstrichzentren.“

Deren Zahl soll sich gleichzeitig erhöhen. Drive-through-Einheiten (Durchfahrtzentren) auf großen Parkplätzen sollen den Druck von den Klinik-Standorten nehmen und das Verfahren beschleunigen. Außerdem bleiben dort die Patienten in ihren Autos, die Testung erfolgt durchs geöffnete Autofenster. Die Menschen bleiben automatisch auf Abstand. Wo im Kreis die Zelte dafür aufgebaut werden, wurde noch nicht verraten.

Für 80 Prozent besteht kein Risiko für eine schwere Erkrankung

Derzeit könne die Wartezeit auf einen Test bis zu zwei Tage dauern, erläuterten die Mediziner. Und bis zum Ergebnis können weitere 72 Stunden vergehen. Das erfordere Geduld, sei aber nicht schlimm. Wer nicht alt oder vorerkrankt sei, müsse sich um eine eigene Ansteckung eigentlich ohnehin keine Sorgen machen. Die Testergebnisse seien derzeit am wichtigsten für die Gesundheitsbehörden, die epidemiologisches Zahlenmaterial für die weitere Lagebeurteilung brauchen, und weitere Infektionen durch die Quarantäne von Kontaktpersonen zu verhindern versuchen.

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Leider stehe immer noch allzu oft die Unvernunft der Menschen dagegen. Besonders gefragt sei die Solidarität der selten schwer erkrankten jungen Menschen mit den deutlich mehr gefährdeten Alten. Prof. Raab: „Wir brauchen jetzt weder Angst noch Panik, sollten uns aber klar machen, dass eine der größten Herausforderungen seit dem Zeiten Weltkrieg auf uns zurollt.“ Die Klinikdirektoren erwarten den Höhepunkt der Krise in ein bis zwei Wochen.

Operationen verschieben, um Beatmungsplätze freizuhalten

Dann sollen möglichst viele Beatmungsplätze für schwere Erkrankungsfälle zur Verfügung stehen - eine gigantische Aufgabe. Nicht dringend erforderliche Operationen müssten dafür jetzt zurückstehen.

Dr. Hans-Ulrich Foertsch von der Ärztekammer warb im Namen seiner niedergelassenen Kollegen ebenfalls für Solidarität: „Wir leben gerade nicht in einer Zeit, in der man Zufriedenheit schaffen kann. Aber wenn wir jetzt die Not nicht wenden, steuern wir in eine Katastrophe.“

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