Im Geschosshagel: Als ein US-Offizier im Innenhof von Schloss Lembeck sein Leben verliert

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Noch heute gibt es die Einschuss-Löcher am Tor von Schloß Lembeck in Dorsten. Die Enthüllung einer Gedenktafel zum Tod eines US-Offiziers vor 75 Jahren wird wegen der Coronakrise verschoben.

Lembeck

, 25.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rechts und links des Torbogens der Hauptburg von Schloß Lembeck kann man noch heute Einschusslöcher finden. Darin sind zum Teil die Geschosse stecken geblieben, die an ein für viele Dorstener Bürger kaum bekanntes Detail der langen und ehrwürdigen Geschichte von Schloß Lembeck erinnern.

Truppen marschierten ein

Denn vor fast genau 75 Jahren, am 28. März 1945, wurde hier der junge US-Offizier Clinton Hedrick beim Einmarsch von amerikanischen Truppen durch ein Artilleriegeschoss so schwer verletzt, dass er kurz darauf starb.

„In den vergangenen Jahren ist ein Freundeskreis mit Nachkommen seines damaligen Regiments schon zweimal zu Besuch am Schloss gewesen, um sich die Örtlichkeit anzusehen“, schreibt uns Ferdinand Graf von Merveldt.

US-Besuchergruppe wollte kommen

Anlässlich des 75-jährigen Gedenktags wollte am Mittwoch (25. März) erneut eine Besuchergruppe aus den USA nach Lembeck kommen, um gemeinsam mit der gräflichen Familie und Bürgermeister Tobias Stockhoff eine Gedenktafel für den US-Offizier zu enthüllen. „Wegen des Coronavirus musste das leider abgesagt werden“, so Graf Merveldt: „Der Besuch soll aber nachgeholt werden.“

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Am 28. März 1945 marschierten die Truppen der 17. US-Luftlandedivision auf ihrem Weg ins Münsterland im Schloss Lembeck ein. Die Wehrmacht hatte die Rheinbaben-Brücke über den Rhein bei Wesel beim Rückzug kurz vorher in die Luft gesprengt, um den Amerikanern den Vormarsch zu erschweren.

So marschierten in Lembeck die amerikanischen Fallschirmjäger ein, die den Rhein übersprungen hatten.

Auch im Jahre 2015 bekam Ferdinand Graf von Merveldt Besuch von Nachfahren einiger US-Soldaten.

Auch im Jahre 2015 bekam Ferdinand Graf von Merveldt Besuch von Nachfahren einiger US-Soldaten. © Privat

Das Tor im Torbogen der Vorburg war, wie immer in unsicheren Zeiten, verschlossen. „Von meiner Mutter weiß ich, dass es aufgeschossen wurde, wodurch der Verschluss zerstört wurde“, so Graf Ferdinand von Merveldt. „Man sieht noch heute, dass Torbretter nach dem Krieg ausgewechselt wurden.“

Hohe Militärauszeichnung

Dem getöteten US-Offizier wurde in seiner Heimat in West Virginia ein großes Denkmal gesetzt und er erhielt im Nachhinein eine der höchsten US-Militärauszeichnungen, wegen „seiner heldenhaften Führung“.

Deren Wortlaut ist im Internet zu finden. „Die Feinde zogen sich über einen Wassergraben in die Burg zurück“, heißt es. „Sergeant Hedrick stürzte sich unter völliger Missachtung seiner eigenen Sicherheit allein über die Zugbrücke, um sie zu verfolgen.“ Anschließend habe er mit vier seiner Männer den Schlosshof betreten, weil sich die deutsche Garnison ergeben wollte.

Tod während der Evakuierung

Unglücklicherweise geriet der US-Soldat dabei in den Hagel eines deutschen selbstfahrenden Artillerie-Geschosses. Clinton Hedrick starb während der Evakuierung, nachdem die Burg eingenommen war.

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