Immer mehr Kinder sind Sportmuffel

Auch in Dorsten

4078 Kinder unter 14 Jahren sind nach Angaben des Stadtsportverbands Dorsten derzeit Mitglied in einem Sportverein. Das sind rund 300 weniger als noch 2015. Mit dieser Entwicklung liegt die Stadt im bundesweiten Trend.

Dorsten

, 15.04.2016, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Immer mehr Kinder sind Sportmuffel

Egal, ob Basketball oder Tanzen: An Grundschulen stehen pro Woche drei Stunden Sport auf dem Stundenplan.

Verschiedene Studien zeigen immer wieder, dass Kinder und Jugendliche unsportlicher werden. Die Untersuchung "Motorik-Modul" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergab 2009 zum Beispiel, dass 43 Prozent der Vier- bis 17-Jährigen keine Minute lang auf einem Bein balancieren können und 43 Prozent bei Rumpfbeugen den Boden nicht erreichen. 2015 zeigte der Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht, dass Jugendliche immer mehr Zeit in der Schule verbringen und sich deswegen weniger bewegen.

Kein Anstieg der Mitgliederzahlen

Leonie Badura und Nina Rummel, Tänzerinnen und Trainerinnen beim TSZ Royal Wulfen, bemerken diese Veränderung auch im eigenen Verein. Auch nach mehrfacher Werbung habe es keinen Anstieg der Mitgliederzahlen gegeben, berichten sie. Rummel sagt: ,,Vor allem in den jüngeren Formationen tut sich nichts, obwohl genug Turnhallen und engagierte Trainerinnen zur Verfügung stehen."

Die beiden Trainerinnen vermuten, dass es nicht nur am Schulstress liegt, dass Kinder keine Begeisterung für Sport finden. Häufig liege es eher daran, dass sich viele Eltern gar nicht mit den sportlichen Möglichkeiten des Kindes auseinandersetzen und es oft Kinder gebe, die nie gelernt haben, sich zu bewegen und Sport zu treiben. Somit sei es für viele Kinder völlig ungewohnt, etwas Neues auszuprobieren. "Wenn ich allerdings Bewegung in ein Spiel bringe oder die Musik etwas lauter drehe, sieht die Motivation direkt ganz anders aus", schildert Badura.

Herbert Rentmeister, Schulleiter der Agathaschule, hat ähnliche Beobachtungen gemacht. "Wir haben es immer mehr mit übergewichtigen Kindern zu tun. Die kommen beim Sport nicht über den Bock", sagt er. Das sei vor allem in sozialschwachen Familien häufig der Fall.

Zu wenig Sportlehrer an Grundschulen

Ein weiterer Kritikpunkt ist für ihn die Zahl der Sportlehrer. Da an Grundschulen nur drei Stunden Sport pro Woche auf dem Stundenplan stehen, entscheiden sich viele Studenten für Fächer mit mehr Unterrichtsstunden. An der Agathaschule gebe es derzeit zwei Lehrer, die Sport studiert haben, so Rentmeister. "Ich bräuchte aber vier bis fünf, um den Sportunterricht abzudecken", sagt er. Deswegen greife er auf Lehrer zurück, die den Übungsleiterschein C und ein Rettungsschwimmerabzeichen haben. Diese sind nämlich auch berechtigt, Sportunterricht zu geben.

Seit 1998 ist Rentmeister im Schulbetrieb tätig. Schon damals habe es die Forderung gegeben, jeden Tag eine Stunde Schulsport zu machen. "Die Forderung ist gut, aber derzeit schwer umzusetzen."

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