Immer mehr Kleine Waffenscheine in Umlauf

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In den Metropolen an der Ruhr dürfen immer mehr Menschen Waffen führen. Die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein steigt. Rüsten auch die Dorstener auf?

Dorsten

, 15.08.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An Rhein und Ruhr wird aufgerüstet. Diesen Schluss lässt die Antwort der Landesregierung auf eine große Anfrage der Landtags-AfD zu. In NRW seien im Dezember 2019 167.000 Kleine Waffenscheine in Umlauf gewesen. Vor allem in großen Städten - Bochum (6502), Dortmund (6121) oder Essen (7670) - seien viele Bürger berechtigt, Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffen zu führen.

Die Zahl der Kleinen Waffenscheine stieg in den vergangenen zwölf Monaten bundesweit um rund 44.000 auf 686.000 an; die Gewerkschaft der Polizei bezeichnet die Entwicklung als „beunruhigend“.

Im Kreis und in Dorsten wird der Kleine Waffenschein wieder seltener beantragt

In Dorsten sind aktuell 837 Menschen berechtigt, eine Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffe zu führen, das teilte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Recklinghausen auf Anfrage mit. 2018 und 2019 wurden jeweils 62 neue Anträge genehmigt. Im ersten Halbjahr des aktuellen Jahres wurden 32 kleine Waffenscheine registriert. Es gibt also keine erhöhte Nachfrage.

Ein Blick auf die Zahlen im gesamten Kreis Recklinghausen zeigt, dass Dorsten unter den zehn Gemeinden keine Ausnahme bildet. 2018 wurden 622 Kleine Waffenscheine herausgegeben, im ersten Halbjahr 2019 339. Nimmt man das Kalenderjahr 2017 noch dazu, lässt sich sogar ein Rückgang der Nachfrage feststellen. Vor drei Jahren wurden kreisweit 1058 Berechtigungen erteilt, also deutlich mehr als in den darauffolgenden Jahren.

Wozu der Kleine Waffenschein?

Einen Kleinen Waffenschein muss beantragen, wer eine Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffe mit PTB-Kennzeichnung auch außerhalb seiner eigenen vier Wände führen will. PTB-Waffen sind von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassen und geprüft. Um sie zu erwerben, benötigen Käufer keinen Kleinen Waffenschein, sie müssen lediglich volljährig sein.

Bevor die örtlich zuständige Waffenbehörde die Berechtigung zum Führen solcher Waffen in der Öffentlichkeit erteilt, prüft die Polizei, ob der Antragsteller geeignet und zuverlässig ist. Welche Kriterien er dafür erfüllen muss, regeln die Paragrafen 5 und 6 des Waffengesetzes. Beispielsweise darf der Antragsteller nicht alkohol- oder drogenabhängig sein. Außerdem wird das Strafregister überprüft und Waffen und Munition müssen sicher verwahrt sowie vorsichtig und sachgemäß behandelt werden.

Wer den Schein besitzt, darf seine Waffen dennoch nicht immer und überall tragen; bei öffentlichen Veranstaltungen etwa ist das verboten. Auch die Polizei NRW weist auf die Gefahren hin: Die Waffen wirken mitunter wie scharfe Waffen, „wodurch es unter Umständen zu einem unkontrollierten Handeln bei Außenstehenden kommen kann“. Und: Auch solche Waffen können lebensgefährlich sein.

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