Immobilienhandel: Bewährung für geständigen Helfer

ESSEN / DORSTEN Auf den Tag genau drei Monate nach Prozesseröffnung ist für einen 47-jährigen Dorstener die Zeit auf der Anklagebank des Landgerichts Essen beendet. Die Wirtschaftsstrafkammer verurteilte den geständigen Kaufmann wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in vier Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten.

von Von Martina Ricken

, 19.11.2008, 12:44 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es war ein umfangreiches Verfahren, das mit elf Angeklagten begann. Sie alle sind in den Jahren 2000 bis 2002 mehr oder weniger intensiv im Handel mit Schrottimmobilien verwickelt gewesen.

Es war ein ausgeklügeltes System, das sich der während des Ermittlungsverfahrens verstorbene Hauptverdächtige ausgedacht hatte. Es begann mit Werbepartnerschaften, dann sollten die Ansprechpartner als Kommandantisten gewonnen und schließlich zum vermeintlich lukrativen Kauf tatsächlicher "Schrottimmobilien" überredet werden.Keine führende Position

Eine führende Position habe der Dorstener dabei keineswegs innegehabt, befand das Landgericht. Dabei waren es zunächst 174 Anklagepunkte, die gegen den 47-Jährigen sprachen. Doch 170 Fälle wurden eingestellt. Übrig blieben vier Fälle, für die der Angeklagte verurteilt wurde. Es ging um Wohnungen, die für insgesamt 250.000 Euro an die Interessenten gebracht wurden. "Was es mit den Wohnungen in baulicher Hinsicht auf sich hatte, ergibt sich aus dem Sachverständigengutachten", meinte Richter Edgar Loch lapidar. "Sie wurden zum Preis veräußert, der dem baulichen Zustand keineswegs entsprach."Ansprechpartner für Kunden

Der Dorstener hatte innerhalb der Gruppierung die Position des "Leiters des Innendienstes" inne, stellte das Gericht fest. Er sei Ansprechpartner für Kundenreklamationen und -wünsche gewesen, habe die Zahlungseingänge kontrolliert und die wesentlichen Informationen an den Hauptverdächtigen weitergeleitet. "Das alles bewerten wir als Beihilfehandlungen. Denn der Angeklagte hatte keine eigenen Entscheidungskompetenzen", begründete Richter Loch.

Zwar machte die Gruppe erheblichen Reibach, der die Geschädigten letztlich in den Ruin trieb. Aber der Dorstener, darauf wies der Verteidiger hin, habe sich so gut wie nicht bereichert. "Er fuhr keinen Porsche."

Lesen Sie jetzt