In die „neue“ Flüchtlingsunterkunft kommen nur Familien

rnAltes Petrinum

Das alte Petrinum wird im nächsten Jahr zur zentralen Flüchtlingsunterkunft für 250 Menschen umgebaut. Beim Informationsabend ging die Kritik aber vorwiegend in eine ganz andere Richtung.

Feldmark

, 11.10.2018, 11:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang Januar startet der Umbau der alten Schule an der Bochumer Straße, ab Juli sollen dort 250 Flüchtlinge wohnen, bislang ist dort Platz für 300 Menschen. „Dabei handelt es sich vorwiegend um Familien aus Syrien und dem Irak“, bestätigte Regierungspräsidentin Dorothee Feller am Mittwochabend in der Agathakirche. Die Menschen bleiben maximal sechs Monate in Dorsten, bis sie einer Kommune zugewiesen wurden oder in die Heimat zurückgebracht werden. Feller: „Es handelt sich um eine sehr kleine Unterkunft, regulär haben solche Einrichtungen 500 oder sogar 1000 Plätze.“

In die „neue“ Flüchtlingsunterkunft kommen nur Familien

Regierungspräsidentin Dorothee Feller (stehend) machte in der Agathakirche deutlich, dass die Flüchtlingsunterkunft in Dorsten eine vergleichsweise kleine ist. © Stefan Diebäcker

Mehrere Zuhörer monierten am Mittwochabend die „fehlende Transparenz“ und die „schlechte Informationspolitik“ der Stadt. Bürgermeister Tobias Stockhoff („Ein Zeitungsabo kann helfen“) konterte, dass es in den letzten Jahren ausreichend Informationen auf unterschiedlichen Kanälen gegeben habe, u.a. auch auf der Homepage der Stadt Dorsten. „Bürgerschaft bedeutet auch, sich Informationen zu beschaffen.“

Keine Anschreiben an die Anwohner

Anders als vor zwei Jahren hatte die Stadt diesmal auf persönliche Anschreiben an die unmittelbaren Anwohner der Flüchtlingsunterkunft verzichtet. Damals war die Post angeblich nicht bei allen „Betroffenen“ angekommen, andere ärgerten sich, weil sie gar nicht im Verteiler waren. „Diese Irritationen wollten wir diesmal vermeiden“, so Stockhoff. Diesmal waren deutlich weniger Zuhörer aus der Feldmark und dem Stadtfeld zum Informationsabend gekommen. Die Fakten:

  • Das alte Petrinum wird ab Januar binnen sechs Monaten für bis zu 250 Menschen hergerichtet. Sanitäranlagen. Brandschutz, Türen und Heizungsanlage müssen saniert werden. „Im Außenbereich soll es Spielmöglichkeiten für Kinder geben, die frühere Turnhalle (nicht die der Astrid-Lindgren-Schule) wird zentrale Küche und Speiseraum“, sagte Baurat Holger Lohse. Ob der neue Gitterzaun um die Unterkunft tatsächlich 2,40 Meter hoch wird, will die Bezirksregierung prüfen. Die Lembecker Laurentiusschule wird in dieser Zeit nicht als Ausweichquartier benötigt.
  • Der Mietvertrag geht über fünf Jahre bis Mitte 2024, längstenfalls bis Ende 2024, falls es in der Umbauphase zu Verzögerungen kommt. „Grundsätzlich ist eine Verlängerung möglich“, so Stockhoff, „aber nur mit Einwilligung der Stadt und Beteiligung der Bürger.“ Die Planungen für das Johannesquartier ruhen zunächst, sind aber nicht vom Tisch.
  • Stadt und Land profitieren von der Vereinbarung: das Land, weil kein Neubau errichtet werden muss, die Stadt u.a., weil 150 Plätze auf die Flüchtlingsquote angerechnet werden. Die Umbaukosten im alten Petrinum trägt wie in anderen Kommunen das Land, bezahlt auch die Heimleitung und einen Sicherheitsdienst.

Mehrere Zuhörer warben am Mittwochabend für ein friedliches Miteinander. Anwohnerin Simone Drescher sagte: „Mögliche Ängste kann ich nicht teilen. Ich bin noch nie blöd angepöbelt worden. Vielleicht sollte man sich einfach mal die Mühe machen und den Kontakt zu den Flüchtlingen suchen.“

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