Ins schwarze Loch gerast

Dorsten Spitzenegeschwindigkeiten bis zu fünfzig Kilometer in der Stunde, rasante Abfahrten, gefährliche Kurven und zum Schluss der Sturz ins kühle Nass.

08.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist keine Formel 1 und auch kein Abfahrtslauf: dieser Sport heißt Rennrutschen und wird auf den steilsten und schwierigsten Wasserrutschen ausgetragen.

So auch am Sonntag im Atlantis Freizeitbad in Dorsten. Hier versammelten sich die besten deutschen Rennrutschcracks, um gegen eine Auswahl lokaler Teilnehmer im Wettkampf um den Titel Deutscher Pokalmeister im Rennrutschen anzutreten. Rund 30 Teilnehmer hatten sich nach Auskunft von Mario Schenkelberg vom Atlantis Dorsten in die Listen eingetragen, um sich der Herausforderung zu stellen. Die Jüngsten mussten hierbei zehn Jahre alt sein, die acht- und neun-Jährigen durften nur mit Mama oder Papa im Zweierpack hinunterrutschen.

Wenn man den Namen der furchterregenden Namen der Wettkampfrutsche hört, mag diese Regelung nicht weiter verwundern. Keinem geringeren als dem «Black Hole», dem schwarzen Loch, mussten sich die Teilnehmer an diesem Sonntag stellen. Das Besondere an der Dorstener Rutsche ist, wie der Name schon verrät, die völlige Dunkelheit, in der die Sportler einhundertvierzehn Meter in die Tiefe rasen. Nur an vereinzelten Stellen sind kleine Lämpchen angebracht. Erst ganz am Schluss empfängt einen dann wieder in das helle Tageslicht des Auffangbeckens.

Im K.O.-System

Die Austragung eines Wettkampfes im Rennrutschen war für Dorsten eine Premiere. Neu war an diesem Wettkampf auch, dass hier nach dem Prinzp des Shootouts verfahren wurde. Nach der Vorrunde traten die qualifizierten Wettkämpfer in 7 Klassen Rutscher gegen Rutscher im K.O.-System an. Im Gegensatz hierzu sind bei der Deutschen Meisterschaft 3 Versuche vorgegeben.

Zu ihnen zählt auch Holger Wienzek, amtierender Norddeutscher Meister im Rennrutschen. Er war aus Porta Westfalica angereist und aus Spaß an der Sache dabei. Seine Kinder hatten ihn damals für diesen Sport begeistert. Auf die Frage, was das Besondere am Rennrutschen ist, erklärte er, jede Rutsche sei anders. Beim Rennrutschen geht es dabei vor allem um zwei Dinge: die Rutsche mit ihren individuellen Tücken zu besiegen und natürlich schneller als der Gegner zu sein. Ihm gefällt aber auch der Community-Gedanke: Auf den verschiedenen Veranstaltungen trifft man immer wieder auf alte Bekannte.

Finale in Orlando

Einer davon ist auch sein härtester Konkurrent: Jens Scherer aus Liptingen in der Nähe des Bodensees. Der fünffache Deutsche Meister hatte sich am Wochenende ebenfalls auf den langen Weg nach Dorsten gemacht, um seiner Titelsammlung noch den DRV Deutschlandpokal hinzuzufügen. Wie Holger Wienzek ist auch er eher zufällig zum Rennrutschsport gelangt. Er nahm einfach mal so an einer Städtischen Meisterschaft teil und gewann diese auf Anhieb. Seither reist er quer durch Deutschland und nimmt an verschiedenen Wettkämpfen teil. Wie auch schon Holger Wienzek ist er für das Europäische Finale 2008 in Orlando qualifiziert.

Optimale Linie

Für Scherer ist es der Adrenalinkick, die Geschwindigkeit, die das Besondere seines Sports ausmachen. «Rennrutschen ist wie Achterbahnfahren», sagt er. Was zählt, ist die Kurvenführung und die Technik, die der Rennrutscher anwendet, um in den Kurven den Gesetzen der Fliehkraft die optimale Linie zu entnehmen. Und das hatte Jens Scherer am Sonntagnachmittag dann auch geschafft. Er stand am Ende des Wettbewerbs als Pokalgewinner fest. Eva Kopriosek

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