Abrechnungsbüro meldet Insolvenz an: Apotheker können nicht zahlen

rnInsolvenz eines Dienstleisters

Diese Meldung hat Apotheker kalt erwischt: Ihr Abrechnungsbüro AvP hat Insolvenz angemeldet. Dadurch sind viele Apotheken in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Dorsten

, 18.09.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gerrit Nattler, der zusammen mit seinem Bruder Simon Nattler sechs Elisana-Apotheken in Dorsten und Gelsenkirchen betreibt, ist froh: „Gut, dass wir nicht mit diesem Abrechnungsbüro zusammengearbeitet haben.“ Gemeint ist die AvP, ein Apothekenrechnungszentrum, das von einem großen Teil von Apotheken in Nordrhein-Westfalen in Anspruch genommen wird. Auch in Dorsten werden einige Apotheker Partner der AvP sein, mutmaßt Nattler. „Die AvP ist bei uns in der Region stark vertreten“, sagt er.

Laut Auskunft der Deutschen Apothekerzeitschrift sei es aber „schwierig bis unmöglich“, die Betroffenen herauszufiltern. „Es gibt kein zentrales Register. Selbst das jeweilige Apothekenrechenzentrum wird keine Auskunft geben dürfen“, sagt Dr. Armin Edalat, Chefredakteur des Mediums, auf Anfrage. Klar ist aber: Die Auswirkungen der Insolvenz von AvP auf die Partner-Apotheken sind enorm.

Es geht um sechsstellige Summen

„Ich kann nicht sagen, welche Kollegen betroffen sind. Aber ich weiß, es geht um sechsstellige Summen“, sagt Gerrit Nattler. Weil die AvP Insolvenz angemeldet hat, konnten Vertragsapotheken plötzlich ihre Lieferantenrechnung nicht bezahlen: „Das sind Beträge zwischen 100.000 und 130.000 Euro“, so Nattler. In speziellen Fällen sogar noch weit mehr: „Wenn eine Apotheke zum Beispiel Spezialbelieferungen macht.“

Generell sei es so, dass Apotheken ihren Umsatz zu 85 Prozent aus rezeptpflichtigen Verschreibungen beziehen. Wenn ein Besucher sein Rezept in der Apotheke eingereicht hat, scannt der Apotheker es ein und übergibt es seinem Rechnungsdienstleister, der mit der Krankenkasse abrechnet und den Apotheken das Geld überweist.

AvP, eine der großen Rechnungsdienstleister, hat aber am Mittwoch Antrag auf Insolvenz gestellt, schreibt „Business Insider“, ein Online-Wirtschaftsmagazin. Deshalb haben die Partnerapotheken nicht wie gewohnt ihr Geld zum 7. oder 10. des Folgemonats bekommen. Das führt dazu, dass die Apotheken plötzlich mit sechsstelligen Beträgen bei ihren Lieferanten in der Kreide stehen.

Finanzaufsicht hat Strafanzeige erstattet

Wie die Deutsche Apotheker Zeitung schreibt, warten mehr als 3000 Apotheken im Land auf ihr Geld. Hilfe sei aber in Sicht: So wolle laut DAZ die Apothekerbank erste Hilfe leisten. Und auch andere Mitbewerber von AvP hätten sich schon an die betroffenen Pharmazeuten gewandt und ihre Dienstleistungen angeboten. Auf die AvP warten weit unangenehmere Nachforschungen: Die Finanzaufsicht habe Strafanzeige erstattet gegen den Chef der Muttergesellschaft, heißt es.

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