Darf man klauende Kinder festhalten? Das sagt das Gesetz - so sind die Meinungen im Netz

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Zwei Kinder klauen bei Rossmann. Darf man sie festhalten bis die Polizei kommt oder nicht? Das Gesetz hat eine eindeutige Antwort darauf. Die macht viele fassungslos.

Dorsten, Holsterhausen

, 24.10.2019, 19:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie bekloppt ist das denn?“, fragt uns ein Leser, nachdem er die Geschichte von Mariusz Kolodziejczyk gelesen hat. Der Raesfelder hatte Kinder beim Stehlen bei Rossmann in Holsterhausen beobachtet und eines auf der Flucht festgehalten, bis die Polizei kam. Jetzt droht ihm ein Strafverfahren wegen Körperverletzung. Die Angehörigen des Kindes haben ihn angezeigt. Die Online-Gemeinde ist fassungslos.

Darf man klauende Kinder festhalten? Das sagt das Gesetz - so sind die Meinungen im Netz

Mariusz Kolodziejczyk hat seine Lektion gelernt. © Claudia Engel

„Da gibt es doch den Jedermann-Paragraphen 127, der das Festhalten nach einer Straftat erlaubt“, sagen einige unserer User auf Facebook. Sie haben aber nur zum Teil Recht. Denn was der Jedermann-Paragraph bei erwachsenen Straftätern erlaubt, ist bei Kindern unter 14 Jahren strikt verboten.

Strafunmündige Kinder sind ausgenommen

„Strafunmündige Kinder dürfen nicht festgenommen werden, auch nicht zu dem Zweck, die Feststellung ihrer Personalien oder diejenigen ihrer Aufsichtspflichtigen zu ermöglichen“, heißt es in dem Juristen-Handbuch Becksche Kurzkommentare in den Erläuterungen zum Paragraphen 127. „Der Zeuge hätte die Kinder laufen lassen müssen“, sagte die Dorstener Amtsrichterin Lisa Hinkers auf unsere Anfrage, als ihr der Fall geschildert wurde.

Das Juristen-Handbuch erkennt in den Erläuterungen zum Paragraphen 127 der Strafprozessordnung gleichwohl, dass das Rechtsempfinden der Allgemeinheit durch das Laufenlassen bei Straftaten von Kindern empfindlich gestört wird. Ein Facebook-Kommentator sagt dazu: „Wenn die damit durchkommen, würden die das immer und immer wieder machen. Und womöglich dann später auch vor Taschendiebstahl oder Raub nicht mehr zurückschrecken.“

Im juristischen Handbuch wird das Volksempfinden so gedeutet, dass es Bedarf geben könnte für Nachbesserungen: „Abhilfe kann nur der Gesetzgeber schaffen, soll es nicht nur bei den außerstrafrechtlichen Erziehungs- und Fürsorgemaßnahmen bleiben.“

Örtliche Jugendämter sind für solche Fälle zuständig

Dafür sind dann die örtlichen Jugendämter zuständig. Die Polizei hat im konkreten Fall darauf hingewiesen, dass das Dorstener Jugendamt über den Vorfall verständigt werde. Zumal die beiden Kinder laut Hinweis des Zeugen wohl wiederholt bei Rossmann aufgefallen seien.

Das Dorstener Jugendamt konnte die Anfrage zum speziellen Fall und der allgemeinen Handhabung am Donnerstag noch nicht beantworten: „Leider können wir zu Ihrer Anfrage erst Anfang der Woche etwas sagen – es ist Urlaubszeit“, sagte Christoph Winkel, stellvertretender Stadtsprecher.

Niemand hat das Recht, Kinder festzuhalten

Einige User im Netz begrüßen aber ausdrücklich, dass der Jedermann-Paragraph Kinder ausschließt: „Dass Kinder mal Dummheiten machen, gibt niemandem das Recht, sie festzuhalten, zu traumatisieren und daran zu hindern, nach Hause oder einen anderen sicheren Ort zu laufen, wenn sie Angst haben. Es sind Kinder!“, sagt eine Frau.

Mariusz Kolodziejczyk hat seine Lehren aus dem Vorfall gezogen: „Ich habe nicht gewusst, dass ich was Schlimmes gemacht habe. Beim nächsten Mal schaue ich zu.“

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