Jugendliche unerwünscht?

Kirchhellen «Jugendliche sind die Zukunft», so heißt es in vielen Texten. Was allerdings momentan an den Kirchhellener Jugendhütten passiert, könnte glauben machen, dass Jugendliche eher unerwünscht sind.

04.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni gab es bereits den zweiten Versuch der Brandstiftung an den Hütten (RN berichtete).

Eigentlich hätte der Treffpunkt an diesem Morgen wieder eröffnet werden sollen, doch statt fröhlichen Gesichter machte sich Frustration breit. Unbekannte hatten die Hütte mit einer Flüssigkeit getränkt und scheinen vor dem Anzünden wohl gestört worden sein. Zwar stand der Treffpunkt nicht in Flammen, doch der Gestank, der sich dort breit gemacht hatte, war unausstehlich. In der Zwischenzeit wurden die Hütten zwar geschrubbt und es riecht nicht mehr ganz so schlimm, doch die Jugendlichen scheinen Angst zu haben. «Am Wochenende kam niemand zu dem Treffpunkt», meinte Sozialpädagogin Rebecca Hasebrink. Sie scheinen sich wieder an verschiedenen anderen Orten zu treffen, was die aufsuchende Jugendarbeit sehr schwer macht.

Missverständnisse

Überhaupt scheint es viele Missverständnisse in der Vergangenheit gegeben zu haben und noch zu geben. Streetworker, wie sie jetzt auch in Kirchhellen eingesetzt werden, würden oftmals mit ihren Kollegen aus den Großstädten verglichen. Bei ihrer Arbeit geht es jedoch nicht um Junkies oder ähnliche Szenen, sondern sie versuchen in erster Linie präventiv zu agieren. «Kirchhellen ist schon lange keine heile Welt mehr», erklärte Pater Winfried Pauly. Dass die Jugendhütten so gut von den Teenagern angenommen werden, zeigt eigentlich, dass Bedarf vorhanden ist. «Davor sollten auch die Gegner der Jugendhütte die Augen nicht verschließen», so Pauly.

Auch die versuchte Brandstiftung in der vergangenen Woche wird die Streetworker nicht von der Arbeit mit den Jugendlichen abhalten. «Die Jugendlichen wollen mit uns reden und brauchen einfach nur einen Platz, wo sie willkommen sind», so Hasebrink, die selbst in Kirchhellen geboren und aufgewachsen ist, und deshalb die Probleme der Kids verstehen kann.

Unverständnis

Auf Unverständnis hingegen stößt das Verhalten einiger Erwachsener. Denn bereits im Vorfeld gab es, wie jetzt bekannt wurde, konkrete Aussagen, wie: «Wenn die Hütte brennt, dann war ich es.» Dabei wäre es doch viel einfacher, sich darüber zu freuen, dass die Jugendlichen jetzt einen Treffpunkt haben und nicht mehr im ganzen Dorf oder auf den Spielplätzen «herumlungern». dzi

Lesen Sie jetzt