Junge Frauen stehen plötzlich ohne einen Cent da

Während der Ausbildung

Zwei Dorstenerinnen wollen sich zur Erzieherin ausbilden lassen. Für die Dauer ihrer schulischen Ausbildung erhielten sie Schüler-Bafög. Mittendrin ist nun die Unterstützung durch das Bafög-Amt versiegt. "Wegen einer Gesetzeslücke", kommentiert das Jobcenter Vestische Arbeit Kreis Recklinghausen.

Dorsten

, 11.08.2015, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lächeln, obwohl ihnen ihre finanzielle Grundlage, Schüler-Bafög, für die Ausbildung zur Erzieherin  entzogen wurde: Mareike Schnieder (li.) und Vanessa Mandera hoffen auf Hilfe.

Lächeln, obwohl ihnen ihre finanzielle Grundlage, Schüler-Bafög, für die Ausbildung zur Erzieherin entzogen wurde: Mareike Schnieder (li.) und Vanessa Mandera hoffen auf Hilfe.

Vanessa Mandera und Mareike Schnieder waren beide als Friseurinnen tätig. Mit Ende 20 stellten sie fest, dass sie als Erzieherinnen bessere Berufsaussichten haben und sie gerne mit Kindern arbeiten würden. Beide nahmen nach Ausbildung zur Kinderpflegerin bzw. Sozialassistentin nun die Erzieherinnenausbildung am Paul-Spiegel-Berufskolleg in Dorsten in Angriff. Mittendrin nun das: "Das Bafög-Amt hat uns die Zahlung gestrichen, wir stehen seit Anfang August ohne einen Cent da", sagen die beiden. 

Hilfe erst bei Abbruch

Die Dorstenerinnen wandten sich ans Jobcenter. Doch es kann den beiden jungen Frauen nicht weiterhelfen: "Erst wenn sie die Ausbildung abbrechen, können wir sie wieder fördern. Das ist ein Trauerspiel", sagt Florian Adamek, Pressesprecher der Vestischen Arbeit Recklinghausen. Mandera und Schnieder sind aus Sicht des Jobcenters löbliche Beispiele dafür, wie junge Menschen sich weiter qualifizieren möchten, dabei aber im Stich gelassen und damit zur Perspektiv- und Arbeitslosigkeit verdammt werden. Rund 400 junge Menschen unter den 70.100 Kunden der Vestischen Arbeit gehören zu dem Kreis hochmotivierter Personen, die ihr Schicksal selbsttätig in die Hand nehmen, aber nicht gleichzeitig Zahlungen nach Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) beziehen dürfen und dabei eine Ausbildung absolvieren. 

"Fortgeschrittenes Alter"

Wegen ihres fortgeschrittenen Alters dürfen die beiden Dorstenerinnen nämlich kein Schüler-Bafög mehr beziehen. Mit Vollendung des 30. Lebensjahres, so sieht es das Bundesausbildungsförderungsgesetz vor, versiegt der monatliche Unterhalt mit Schüler-Bafög. Betroffene in dieser Altersgruppe, die wie Schnieder und Mandera mitten in der „Lehre“ stecken, wird von heute auf morgen der Geldhahn zugedreht. Das wussten die beiden Dorstenerinnen nicht, als sie auf die Erziehung von Kindern umsattelten. „Das hat uns im Amt auch niemand mitgeteilt“, sagen die beiden jetzt.

Petition an den Bundestag

Das Jobcenter der Vestischen Arbeit trat wegen der Gesetzeslücke dem bundesweiten Netzwerk "Teilzeitberufsausbildung" bei. „Es hat eine Eingabe (Petition) an den Deutschen Bundestag aufgesetzt. In der Petition werden genau die Missstände benannt, die im Fall der beiden Dorstenerinnen eintreten“, erklärt Adamek. Im September 2014 sei das Ersuchen eingereicht worden. Seitdem ist es in Bearbeitung. Gefordert wurde in der Bittschrift, „der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Absolvierung einer Ausbildung und der Leistungsbezug nach dem Sozialgesetzbuch II sich nicht mehr gegenseitig ausschließen“. „Damit hochmotivierte junge Menschen von Leistungszahlungen nicht ausgeschlossen werden“, so Adamek.

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