Stuhl, Garderobenständer und Bühne: Lioba Albus kommt mit wenig aus

rnKabarett im GHW

Das Wulfener Gemeinschaftshaus lud zum Kabarettabend mit Lioba Albus. 62 Gäste durften dabei sein und wurden nicht enttäuscht.

von Andreas Hofmann

Wulfen, Wulfen-Barkenberg

, 06.09.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stuhl, ein Garderobenständer und die Bühne. Das reicht, wenn Lioba Albus auftritt und ihr Publikum begeistert, und das von Anfang an. Eine Kabarettistin, drei Rollen. Als Lioba Albus alias Mia Mittelkötter die Bühne im Gemeinschaftshaus Wulfen am Freitag betrat, war das Publikum sofort gefesselt.

Lioba Albus beginnt beherzt - mit einer Abhandlung über die Ehe.

„Ich war schon immer gegen Käfighaltung aber jetzt weiß ich erst, was die Hühner durchmachen. Wenn man so mit der eigenen Familie weggesperrt wird.“ Und da ist sie dann auch schon voll im Thema, denn ihre Ehe mit Mann Gustav hat über die Jahre diverse Auf und Abs erlebt.

Auftritte in der Ladies Night

Die Kabarettistin, die auch schon in der Ladies Night zu sehen war, beherrscht ihre Figur, wird eins mit ihr. Wenn sie dann aus ihrem Alltag mit ihrem Gustav berichtet, zeigt sie Einblicke in den deutschen Ehealltag. Da muss sich Mia in ihrer „unendlichen Güte“ anhören, dass ihr Ehemann Hexenschuss hat, weil er „mit einer Hexe verheiratet“ ist.

Die Erotik ist längst verflogen, wenn sie Gustav im Badezimmer, „am Schwitzen wie ein Ferkel im Salzteig“, nackt vorfindet. Gustavs innige Beziehung zu seinem Fernseher ist Mia nur zu vertraut: „Die beiden sind jetzt ein Paar geworden, da will ich nicht dazwischen funken“.

Lioba Albus im Gemeinschaftshaus Wulfen

Lioba Albus im Gemeinschaftshaus Wulfen © Andreas Hofmann

Doch wenn das Kostüm der Sauerländerin Mia auf der Bühne fällt und Witta, die Blonde im kurzen Rock auf den Brettern steht in ihren roten hohen „Nuttenhufen“, nimmt sie Fahrt auf. Das Publikum honoriert die Verwandlung mit einem „Wow“ und dann geht es los und sie kommt zum „Outdoorbalzen“ der Jugend und zur Erkenntnis: „Es gibt nichts und niemanden mehr, der mich in hormonelle Bedrängnis bringen kann.“

Die jungen Männer und ihre Männlichkeit

Mia hat beobachtet, dass es ein Problem gibt mit der Männlichkeit in unserer Gesellschaft. „Mir kommen viele jungen Männer vor wie aufgeregte Kaulquappenmännchen, die durch die Gegend flirren, weil sie Angst haben, dass sie irgendwann ihr Schwänzchen verlieren.“

Gelegentliche frivole Anspielungen der Kabarettistin nimmt das Publikum amüsiert zur Kenntnis. Lioba Albus als Ruhrpott-Tussi mit schnodderigem Tonfall stellt fest, dass „sie kacke aussieht“. Das bekümmert sie aber nicht weiter, denn die Gefühlswelt der Frauen ist ein reiches kabarettistisches Spielfeld. „Liebesfilme sind dazu da, um uns Frauen für das zu entschädigen, was das Leben nicht ausspuckt.“ Lacher und Applaus der 62 Zuhörer sind ihr sicher. Sie haben einen unterhaltsamen Abend erlebt.

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