Kai Magnus Sting ist eine respektlose Quasselstrippe

Kabarett im Gemeinschaftshaus

Seinem Namen machte Kabarettist Kai Magnus Sting am Freitagabend im Gemeinschaftshaus alle Ehre: Gekonnt stocherte er herum in unserem alltäglichen Wahnsinn, festgemacht an kleinen, genau beobachteten Szenen und sprachlichen Wendungen.

DORSTEN

von Von Sabine Bornemann

, 23.01.2011, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Reporter im Visier von Kai Magnus Sting: "Wenn Sie schon blitzen, dann müssen Sie aber auch donnern!"

Reporter im Visier von Kai Magnus Sting: "Wenn Sie schon blitzen, dann müssen Sie aber auch donnern!"

In der anschließenden Kunstpause entschloss sich Sting, seine Aussage noch mal ganz langsam und deutlich zu erläutern, gab dann aber auf: „Wenn ich gewusst hätte, dass Sie alle auf einer Waldorfschule waren, hätte ich es getanzt!“ Das Ruhrgebiet und sein Slang hatten es ihm angetan: „Hömma!“ „Boa ey!“ „Jo!“ „Weisse Bescheid!“ Das reicht. „Tun se mich ma den Gehacktem! Solche Sätze müssen an anderen Orten operativ entfernt werden.“ Linguistische Akrobatik für Möchtegernlateiner, freche Wortspiele und ganz wörtlich genommene Dinge – das sind Markenzeichen von Kai Magnus Sting.

Er spielte mit dem Publikum: „Hören Sie auf zu klatschen – entweder alle oder keiner!“ Da kann man auch schon mal spontan ins Visier geraten: Ein Zuschauer wollte seinen Zwischenruf nicht wiederholen und sagte stattdessen: „Gut, dass Sie mich nicht sehen können!“ Darauf Sting: „Das können wir ändern!“ – sprach’s und kam von der Bühne runter, um den Herrn in Augenschein zu nehmen. „Wo arbeiten Sie denn nun wirklich?“ – „Beim Sozialamt. Ich habe auch einen Antrag dabei.“ – „Den Durchschlag möchte ich lieber nicht sehen.“ Bei der Rückkehr auf die Bühne: „Können wir hier für den Herrn sammeln?“

Ausführlich beschäftigte sich Sting mit Alt und Jung: Während der rüstige Rentner von morgens bis abends kärchert, laubsaugt und nordic walkt, wäre ein Jugendlicher auf einer Insel schon nach einem Tag erledigt, weil er kein McDonald´s findet und kein Netz hat. „Was machen die den ganzen Tag? Schießen lernen – Freunde treffen!“

Und Lehrer hat Sting gefressen, obwohl er den Beruf selber mal erlernt hat: „Wozu soll man über Kurven diskutieren, wenn es nicht die der Nachbarin sind?“ Auch unsere Volksvertreter auf Erden und im Himmel kamen nicht ungeschoren davon. Wer ist denn noch ein Vorbild? Sting machte sich böse über Merkel, Brüderle und den Papst lustig. Ohne Unterbrechung ließ die respektlose Quasselstrippe nicht viel aus. Sting am Schluss nach rechts ab.

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